Mexikanische Kolpingsfamilie profitiert vom Ems-Kaffee
Ein Kaffee, zwei Gesichter
Rheda-Wiedenbrück. Seit zwei Monaten erst ist der fair gehandelte Ems-Kaffee auf dem Markt und schon haben die Rhedaer und die Wiedenbrücker 6000 Liter getrunken. „Wir haben seit November insgesamt fünf Zentner verkauft“, freut sich Karl-Heinz Simon von der Wiedenbrücker Eine-Welt-Initiative St. Aegidius e.V. Die Initiative hat im vergangenen Jahr die Einführung eines Stadtkaffees angeregt, nachdem Rheda-Wiedenbrück „Fairtrade-Town“ geworden war.
Genaugenommen sind es sogar 14 Zentner, denn in den Tüten ist ein mexikanischer Hochlandkaffee, der schon seit vielen Jahren vom Entwicklungshilfe e.V. des Kolpingwerks im Bezirk Wiedenbrück unter dem Namen Tatico verkauft wird. „Wir haben in den letzten beiden Monaten fast neun Zentner verkauft, 2550 kg im ganzen Jahr“, sagt Helmut Wilmer aus Rheda. Er organisiert mit Theo Heitwerth aus Spexard hauptverantwortlich den Kaffeeverkauf im Kolping-Bezirk. Der Bio-Kaffee kommt aus dem mexikanischen Hochland im Bundesstaat Chiapas.
Er wird dort von einer Kolping-Kooperative angebaut und dann zu fairen Bedingungen nach Deutschland an die Rösterei Langen in Medebach verkauft. „Faire Bedingungen heißt, dass die Zwischenhändler, die sogenannten Coyotes, ausgeschaltet sind und dass wir den Kaffeebauern fest vereinbarte Mengen zu einem Preis abnehmen, der wesentlich über dem Weltmarktpreis liegt“, erläutert Wilmer. So verdienen die Kaffeebauern mehr, in ihrem Dorf konnte eine Schule gebaut und die Gesundheitsversorgung der Menschen deutlich verbessert werden. „Seit 15 Jahren haben wir von Kolping den Kontakt zu den Kaffeebauern in Mexiko“, erzählt Helmut Wilmer, „wir konnten und können mit eigenen Augen sehen, wie sich das Leben der Menschen verbessert.“
Das ist für ihn sogar Grund genug, regelmäßig sein Auto mit Kaffee zu beladen und damit zahlreiche Kolpingschwestern und -brüder zu beliefern, die zum Teil ihrerseits den Kaffee in der Kirchengemeinde oder im Freundes- und Familienkreis verkaufen. Und dies war auch der Grund dafür, dass die Eine-Welt-Initiative Wiedenbrück den Tatico-Kaffee nutzt, um ihn unter dem Namen „Ems-Kaffee“ zu verkaufen. „Wir hatten den Tatico-Kaffee schon immer im Sortiment“, so Karl-Heinz Simon, „und das bleibt auch so.“ Den gleichen Kaffee unter zwei Namen verkaufen – ist das sinnvoll? „Nach den ersten Erfahrungen ja“, so Simon, „den Ems-Kaffee verschenkt der Bürgermeister zum Beispiel bei Geburtstagsbesuchen. Das wäre mit dem Tatico-Kaffee wohl nicht möglich.“ Dem stimmt auch Helmut Wilmer zu. „Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn der Bürgermeister den Tatico-Kaffee verschenken würde“, sagt er augenzwinkernd, „aber entscheidend ist das Wohl der Kaffeebauern in Mexiko.“
Seit einigen Monaten haben die Spekulanten die Rohstoffe für sich entdeckt. Das hat Auswirkungen auf den Rohkaffeepreis, der in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen ist. Dadurch wird sich ab Februar auch der Preis für den Tatico-Kaffee bzw. den Ems-Kaffee um voraussichtlich einen Euro pro Pfund erhöhen, das ist etwa ein Cent pro Tasse. Durch den Ausschluss der Zwischenhändler kommt die Erhöhung direkt den Kaffeebauern zugute.







