Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kirchenfensterzyklus in der St.-Clemens-Kirche

Ein Kleinod im Dortmunder Süden

Farbenfroh ist das „Fenster der Kinder“. Fotos: Petri

Dortmund. Hombruch – ein Stadtteil im Dortmunder Südwesten, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders durch seine zahlreichen Arbeitersiedlungen geprägt wurde. Noch heute bestimmen die ehemaligen Arbeiterwohnungen das Stadtbild, auch wenn sich in der Zwischenzeit viel verändert hat. Hier in Hombruch steht die katholische St.-Clemens-Kirche – eine Kirche, die in Zeiten der Industrialisierung erbaut worden ist. Was diese Kirche so besonders macht? Auch im Gebäude selbst lässt sich ein großes Stück Dortmunder Stadt- und Kirchengeschichte wiederfinden. Es sind die zwölf Fenster der St.-Clemens-Kirche, die diese Geschichte erzählen. 

von Anna Petri 

Ein Kirchenfensterzyklus – geschaffen vom Künstler Egon Stratmann. Nach der Restaurierung der Kirche im Jahr 1948, so berichtet Manfred Wacker, Pfarrer der St.-Clemens-Kirche, habe sich die Gemeinde lange mit einer einfachen Buntverglasung beholfen, bis 1991 das erste Fenster aus dieser Reihe entstand. Die weiteren elf Fenster seien dann in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten gefolgt.

„Diese Fenster sind ein besonderer Schatz der Kirche“, betont Wacker. Zum einen stammten sie alle aus der Hand eines einzigen Künstlers, was sonst in Kirchen eher selten sei. Zum anderen spiegele jedes Fenster auf seine Weise ein Stück Kirchengeschichte wider – individuell in Szene gesetzt und zum Teil mit der Dortmunder Stadtgeschichte verwoben. Darauf habe die Gemeinde bei der inhaltlichen Überlegung zu den Fenstern großen Wert gelegt, so Wacker.

Von der Hombrucher Gemeinde stammen auch die Ideen zu den Fenstern, die dann dem Künstler zur Gestaltung vorgeschlagen wurden. Ein Fenster hebt Pfarrer Wacker beim Rundgang durch die Kirche besonders hervor. Es befindet sich im hinteren Teil des Kirchenschiffs und nennt sich das „Wilhelm-Oberhaus-Fenster“. In einer eher bedrückenden Farbwahl aus roten, schwarzen und grauen Tönen spiegelt dieses als letztes in der Reihe von Egon Stratmann entstandene Fenster, die Geschichte der katholischen Märtyrer im Zweiten Weltkrieg wider. Im Mittelpunkt steht Wilhelm Oberhaus, der von 1933 bis 1938 als Kaplan in der St.-Clemens-Gemeinde wirkte und im Jahr 1942 im KZ Dachau ums Leben kam. Zudem zeigt das Fenster, dessen düstere Farben offensichtliche Assoziationen zu Leid, Tod und Angst herstellen, im rechten oberen Drittel die Porträts aller zwanzig Märtyrer aus der Diözese Paderborn, die im Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten.

Als nächstes zeigt Wacker ein Fenster, das einen starken Gegensatz zum vorherigen aufweist. In satten und bunten Farben gehalten, zeigt das „Fenster der Kinder“ die gute Schöpfung, wie sie vor dem Sündenfall war. In solch einer Welt, erläutert Wacker, verdienen es Kinder zu leben, wie die Darstellung der fröhlich tanzenden Kinder aller Nationen in der unteren Fensterhälfte zeige. Die Hombrucher Gemeinde sei sehr stolz auf diesen bedeutenden Schatz ihrer Kirche, sagt Manfred Wacker. Auch deswegen, weil bereits zweimal interessierte Gruppen aus Holland die Kirche besucht haben, um die Fenster zu bewundern.

Möglich gemacht haben diese Fenster großzügige Spenden aus der Gemeinde. Mit ihnen, hofft Wacker, lasse sich dann auch im kommenden Jahr der Zyklus fertigstellen. Ein letztes Fenster der Kirche fehle noch, und es gäbe bereits Pläne mit dem inzwischen weit über 80 Jahre alten Egon Stratmann zur Gestaltung. Der Pfarrer hofft auf eine zeitnahe Umsetzung: „Es ist der Gemeinde ein großes Anliegen, dass auch Stratmann dieses letzte Fenster gestaltet.“


23.05.2012
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