Die Kirche feiert den 100. Geburtstag des langjährigen Erfurter Bischofs Hugo Aufderbeck
Ein Sauerländer Kämpfer
Sundern-Hellefeld (jon). Er war eine der prägendsten Gestalten für die Kirche vor allem in der DDR: der aus Sundern-Hellefeld stammende Bischof von Erfurt, Hugo Aufderbeck. Sein 100. Geburtstag wird am Sonntag, 22. März, um 15 Uhr in Aufderbecks Taufkirche St. Martinus in Hellefeld gefeiert. Dazu kommen der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker und Aufderbecks Nachfolger als Bischof von Erfurt, Dr. Joachim Wanke. Ursprünglich sollte auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus dort sprechen. Wegen seines Skiunfalls wird er vom Chef der thüringischen Staatskanzlei und Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Dr. Klaus Zeh, vertreten.
Aus Anlass des 100. Geburtstags wird auch eine Wanderausstellung über Hugo Aufderbeck eröffnet sowie ein Buch über ihn vorgestellt. Dr. Klaus Zeh hält den Festvortrag zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis – Bischof Hugo Aufderbeck zum 100. Geburtstag“. Ausstellung und Buch stammen von Pfarrer Michael Schmitt und Dr. Clemens Brodkorb, Leiter des Archivs der Deutschen Provinz der Jesuiten in München und ehemals Seelsorgeamtsleiter in Magdeburg. Grußworte geschrieben haben darin Ministerpräsident Althaus, Joachim Kardinal Meisner, der von Aufderbeck zum Bischof geweiht wurde sowie die Diözesan-Bischöfe von Paderborn, Erfurt und Magdeburg. Die Aufderbeck-Ausstellung ist anschließend an allen Wirkungsorten Aufderbecks in Paderborn, Gelsenkirchen, Halle, Magdeburg, Erfurt und Heiligenstadt zu sehen.
Hugo Aufderbeck erblickte am 23. März 1909 in Hellefeld als Kind einer Handwerkerfamilie das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Volksschule und der Gymnasien Laurentianum in Arnsberg und Theodorianum in Paderborn bestand er 1930 sein Abitur. Auf der Abiturpostkarte aus Paderborn teilte er seinen Eltern mit, dass er Theologie studieren wolle. 1936 im Hohen Dom in Paderborn zum Priester geweiht, wirkte er bis 1938 als Religionslehrer in Gelsenkirchen und anschließend zehn Jahre als Vikar und Studentenpfarrer in Halle. Von 1948 bis 1962 war er Seelsorgeamtsleiter in Magdeburg. Der zum Erzbistum Paderborn gehörende sachsen-anhaltinische Teil der Diözese wurde von einer ausgeprägten Diasporasituation mit vielen Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten bestimmt. Hier entwickelte er bis heute eindrucksvolle praktische Konzepte für die Pastoral unter den Bedingungen des „realexistierenden Sozialismus“ der jungen DDR jener Jahre.
Die in den 50er- und beginnenden 60er-Jahren akute Frage „Flucht oder Bleiben?“ bat Aufderbeck mit „Bleiben“ zu beantworten, denn der „verlassene Posten“ sei Gewinn für den atheistischen Gegner. In der Folgezeit widmete er sich der Stärkung der Bleibenden und trat für eine selbstbewusste Kirche im totalitären System DDR ein.
1962 ernannte ihn Papst Johannes XXIII. als Nachfolger des aus Olpe stammenden Joseph Freusberg zum Weihbischof im Bistum Fulda mit Sitz in Erfurt. Die Bischofsweihe spendete ihm der Bischof von Berlin und spätere Kardinal Alfred Bengsch. Zu seiner besonderen Freude konnte er von 1962 bis 1965 am Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom teilnehmen. Die Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanums waren ihm ein Herzensanliegen. 1964 wurde er Generalvikar für den östlichen Teil des Bistums Fulda, 1967 Bischöflicher Kommissar und 1973 Apostolischer Administrator für das Bischöfliche Amt Erfurt und Meiningen. Durch diese kirchenrechtliche Bezeichnung verblieben die thüringischen Gebiete weiterhin offiziell bei den Bistümern Fulda und Würzburg – man beugte sich also nicht der deutschen Teilung –, konnten aber von Hugo Aufderbeck mehr oder weniger selbstständig verwaltet werden. Die lange Vorbereitungszeit auf seinen Tod 1981 – er wusste schon Jahre zuvor von seiner Krebsdiagnose – sah Aufderbeck als Gnade an. Am Schluss seines Testaments steht: „So bete ich das Miserere, spreche das Amen und hoffe auf das Alleluja.“ Er starb am 18. Januar 1981 und wurde im Kreuzgang des Erfurter Mariendoms beigesetzt.







