Aktuelle Ausgabe
2012-20

Priesterfortbildung: Die Frage nach Gott in der säkularisierten Gesellschaft und die Stellung der Kirche

Eine Frage mit Nebenwirkungen

Die Gottes­frage stand im Mittelpunkt einer viertägigen Veranstaltung zur Priesterfortbildung im Liborianum. Foto: Wiedenhaus

Erzbistum. „Lebenslanges Lernen“ gehört zu den Grundvoraussetzungen, um in einer Gesellschaft, die sich mit zunehmender Dynamik zu wandeln scheint, relevant zu bleiben. Auch die Kirchen stellen sich zunehmend diesem Prozess – das Erzbistum Paderborn macht diesen Anspruch mit seinen Angeboten zur Priesterfortbildung deutlich. Gerade haben die Mitglieder der Weihejahrgänge 1993, 2002 und 2005 einen viertägigen Fortbildungszyklus im Paderborner Liborianum absolviert. „Gottesfrage und Gott(es)rede im Kontext von Pluralität und Sinnsuche“ lautete das Thema. 

von Andreas Wiedenhaus 

Wer heute Priester ist, macht häufig eine Erfahrung, die ernüchternd oder unter Umständen sogar frustrierend wirkt: Antworten zu haben, aber nicht gefragt zu werden. „Die Menschen sind auf der Suche, aber sie suchen nicht unbedingt mehr bei uns“, machte Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, bischöflicher Beauftragter für die Priesterfortbildung, die Problematik in seiner Begrüßung deutlich. Warum die aktuellen Suchbewegungen an den etablierten Kirchen vorbeilaufen, war eine der Fragen, mit denen sich die Geistlichen beschäftigten.

In seinem Einführungsreferat befasste sich Dr. Rainer Hohmann unter anderem mit den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen für die Diskussion religiöser Themen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach den Charakteristiken, die die heutige sogenannte „postmoderne“ Gesellschaft vor diesem Hintergrund auszeichnen.

Ein zentrales Kennzeichen, Pluralität und Vielfalt, hat dabei entscheidende Auswirkungen auf die Stellung der Kirche im Zusammenhang mit der Sinnsuche der Menschen: Pluralität bringt zwar einen Gewinn an Freiheit, aber damit einhergehend auch Unübersichtlichkeit, Unsicherheit und Heimatlosigkeit mit sich. Hohmann: „Eine herausfordernde Aufgabe für uns als Priester.“

Denn die Frage nach Gott beschäftigt die Menschen auch heute. Die These, dass die Religion in der postmodernen Gesellschaft überflüssig werde, sei nicht aufgegangen, so Hohmann. Stattdessen sei Religiosität in vielen Schattierungen wiedergekehrt – oft allerdings abseits der offiziellen Kirche. Weitere Themenfelder der Fortbildung befassten sich mit der Entwicklung des Gottesbildes seit dem Alten Testament, dem Dreifaltigkeitsglauben oder der Frage, welche Auswirkungen auf das Priesterbild mit der Perspektive 2014 und der Pastoral der Berufung einhergehen. Referenten waren neben Dr. Menke-Peitzmeyer und Dr. Hohmann auch Dr. Bergit Peters, Dr. Michael Bredeck, Professor Dr. Michael Konkel und Spiritual Msgr. Martin Reinert.

„Nicht zuletzt der Austausch und Kontakte untereinander bilden einen wichtigen Programmpunkt“, erläutert Dr. Menke-Peitzmeyer einen weiteren Aspekt im Rahmen der Forbildung: „Trotz aller Probleme gibt es auch zahlreiche ermutigende Erfahrungen, die es zu teilen lohnt.“ So seien die Treffen eine gute Gelegenheit, um neue Modelle kennenzulernen und solche positive Ansätze weiterzugeben, „damit auch andere davon profitieren“.

Ein Punkt, der auch in der Begegnung mit Weihbischof Matthias König zum Tragen gekommen sei.

 

 


23.05.2012
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