Kolping-Akademie hat Wohngemeinschaft für Demenzkranke übernommen
Eine familiäre Gemeinschaft
Gütersloh. Es duftet nach Essen. Die ersten Mitglieder der Wohngemeinschaft sind bereits um den großen Esstisch versammelt. Das Wohn- und Esszimmer mit angrenzender Küche ist der zentrale Raum des Einfamilienhauses, nicht nur zu Mahlzeiten. Er unterstreicht den familiären Charakter des Hauses, das eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft beherbergt. Denn die Hausbewohner sind allesamt demenzerkrankte Senioren, die in einer vor Kurzem von der Kolping-Akademie für Gesundheit und Sozialwesen eröffneten Wohngemeinschaft zusammenleben. Der ersten in katholischer Trägerschaft in Gütersloh.
von Ruth Lakenbrink
Von außen fügt sich das Haus an der Voßheide im Stadtteil Spexard perfekt in das umliegende Wohngebiet ein. Und genau das ist das Konzept. „Das Ganze soll etwas Familiäres haben“, erklärt Michael Buschsieweke, Leiter der Kolping-Akademie. Und wie das in einer Familie so üblich ist, bekommen es die Bewohner einfach mit, wenn gekocht wird und der leckere Duft durch das Haus zieht. Ein Stück beruhigende Normalität, ein wichtiger Aspekt für demenzerkrankte Menschen.
Zu den familienähnlichen Strukturen der kleinen Gemeinschaft gehört auch, dass sich jeder in die täglichen Aufgaben einbringen kann, sofern er dies möchte und auch noch kann. Denn: „Das Schlimmste, was man einem Menschen antun kann, ist, ihm jegliche Aufgaben zu entziehen“, so Buschsieweke.
Ein Stück Normalität und Vertrautheit zieht mit den Bewohnern auch in ihre Zimmer ein. Denn anders als in so manchem Pflegeheim, können die Bewohner ihr Zimmer ganz nach ihren individuellen Vorstellungen einrichten. Einige der Bewohner haben früher sogar in der Nähe gewohnt, im „Quartier“, wie Jörg Leukel, Leiter der Hausgemeinschaft es formuliert. „So können sie ihre alten Kontakte wieder aufleben lassen.“
Vier behindertengerechte Bäder, ein Aufzug, ein Schlafraum und Büro für das Fachpersonal sowie Vorrats- und Waschraum ergänzen das rund 280 Quadratmeter große Haus, das vor drei Jahren um einen Anbau erweitert wurde. Damals hat ein anderer Träger diese Wohngemeinschaft ins Leben gerufen, und den kolpingeigenen Pflegedienst „Paula“ mit ins Boot geholt. Waren die Mitarbeiter in der Vergangenheit ergänzend tätig, so hat die Kolping-Akademie nun, um die Wohngemeinschaft vollständig übernehmen zu können, einen eigenen ambulanten Pflegedienst eröffnet. 14 Mitarbeiter aus den Pflege- und Hauswirtschaftsbereich kümmern sich rund um die Uhr um die Senioren-WG, helfen den Bewohnern bei der Orientierung und im Alltag durch verschiedene den Körper und Geist unterstützende Maßnahmen.
„Meine Mutter hat wieder viel gelernt“, berichtet Monika Riedel. Jahrelang haben sie und ihr Mann Werner ihre Mutter Clara Moorfeld alleine gepflegt, bis es nicht mehr ging. Seit Mitte Februar wohnt die 94-jährige Mutter, die damit die älteste Bewohnerin der WG ist, in dem Haus an der Voßheide. „Sie kann wieder ein Tasse halten und geht sogar ein paar Schritte“, freut sich ihre Tochter Monika über die Fortschritte. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber das Konzept der Wohngemeinschaft hat uns überzeugt.“ Und sie haben ihre Entscheidung nicht bereut.
„Unser Konzept ist aber nicht für jeden etwas“, betont Buschsieweke, der die Wohngemeinschaft als Alternative und Ergänzung der bestehenden Pflegeangebote betrachtet. Eine Alternative, die auch nicht teurer sei als ein Pflegeheim und für alle Pflegestufen offen ist. Denn Wohngemeinschaft bedeutet nicht, dass die Bewohner dort nur solange bleiben können, wie sie einigermaßen fit sind. Im Gegenteil sind sogar vier der Bewohner in der höchsten Pflegestufe drei eingeordnet. „Wenn sie möchten, dann können sie bei uns bis zum Tod bleiben“, sagt Leiter Jörg Leukel. Denn auch das Sterben gehört zum Leben in einer Familie dazu.
Weitere Infos gibt es unter Tel. 0 52 41/4 03 11 47 oder
0 52 41/23 80 34 sowie im Internet: www.paula-gt.de







