Aktuelle Ausgabe
2012-20

Haben Bischöfe Bilder der Auferstehung?

Er sah und glaubte

„Auferstehung“ von der Rückseite des Isenheimer Altars in Colmar von Matthias Grünewald, eigentlich Mathis Gothart-Nithart; * 1475 oder 1480, † 1528.Foto: akg-images

„Er sah und glaubte“ heißt es im Johannesevangelium vom Ostersonntag. Petrus und Johannes sind unterwegs zum Grab, gehen in die leere Kammer, sehen die Leinenbinden verstreut liegen, auch das Schweißtuch. Für Johannes ist damit klar: Der Herr ist auferstanden. So hat er sich das vorgestellt. Wie sieht das bei den Hirten von heute aus? Wie stellen sie sich die Auferstehung, rein bildlich, vor? Der DOM hat in der Kirchenprovinz sowie bei den Nachbarn nachgefragt.

 


Erfurt:
Bischof Joachim Wanke: Eines der wertvollsten Kunstwerke des Erfurter Mariendomes ist der sogenannte „Wolfram-Leuchter“. Er ist für mich eine Gestalt der Hoffnung, die uns im Dunkel der Zeit auf das Osterlicht hinweist. In diesem Lichtträger sehe ich unsere Aufgabe als Kirche und Christen angedeutet. Wir Christen vertrauen dem entscheidenden Licht von oben, das uns als Geschenk zukommt und das selbst das Dunkel der Gräber erhellen kann. Aber ein Lichtträger reicht nicht. Jeder von uns muss ein „Wolfram“ werden, damit viele Mut finden, immer neu anzufangen, auch im eigenen Leben dem Bösen zu widerstehen und dem Guten Raum zu geben.


Fulda:
Bischof Heinz Josef Algermissen: Im Fuldaer Bischofspalais mit seinen barocken Räumen und Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert bilden in meinem Arbeitszimmer drei signierte Farbholzschnitte aus HAP Grieshabers „Totentanz“ einen ebenso deutlichen wie gewünschten Kontrast. Vor gut 30 Jahren konnte ich sie kaufen und mir damit einen großen Wunsch erfüllen. Besucher stehen mitunter nachdenklich fragend vor den Motiven „Der Tod und das Kind“, „Der Tod und der Narr“, „Der Tod und der Abt“ und wollen wissen, was mir die Bilder bedeuten. Grieshaber bewegt sich in der Holzschnittfolge in einer Zone zwischen Expressionismus und abstrakter Kunst: Ein inhaltliches Thema wird gleichsam in eine Bildchiffre umgesetzt. In dem mir wichtigsten Bild „Der Tod und der Narr“ wird das deutlich: Der Narr wie der Tod vollführen einen Kopfstand. Das einzige, was im Bild aufrecht steht, ist eine stilisierte Blume zur Linken, Lebenszeichen im Totentanz dieser Welt. Durch das Osterereignis steht der Tod Kopf: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55). Der Auferstandene öffnet die Gräber dieser Welt und „erstrahlt den Menschen im österlichen Licht“ (Exsultet).


Magdeburg:
Bischof Gerhard Feige: Auf dieser Ikone, die gegenüber meinem Bett hängt, ist kein historischer Moment der Auferstehung Jesu Christi dargestellt, sondern deren universale Bedeutung. Wie Adam und Eva – als Repräsentanten der ganzen Menschheit – aus dem Reich des Todes gezogen werden, so ist auch uns die Fülle des Lebens verheißen. Wer daran glaubt, kann Ängste verlieren, weil sich Zukunft auftut. Darum sind österliche Menschen voller Hoffnung und versuchen bereits jetzt „erlöster“ zu leben.


Osnabrück:
Bischof Franz-Josef Bode: Als Student bekam ich einen Bibelkalender geschenkt, der zu Ostern dieses faszinierende Bild von Alfred Manessier enthielt. Viele Jahre hat mich das Gemälde begeistert, weil die leuchtende Sprengkraft der Auferstehungsbotschaft geradezu ins Auge springt. Besonders in Zeiten großer Krisen, Dunkelheiten und Herausforderungen braucht es solche Bilder der Hoffnung, die uns durch die Über-Macht des Lichtes und des Lebens aus unserer Ohnmacht herausreißen. Das Gemälde weckt Assoziationen an die Sonne und an die verwandelte Erde. Es bringt die Botschaft auf den Punkt: Christus, die „Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25), ist die Mitte unseres Daseins und der Durchbruch einer überirdischen Wirklichkeit.


Paderborn:
Erzbischof Hans-Josef Becker: Wenn es um das Wunder der Auferstehung geht, dann steht mir unweigerlich das großartige Werk von Matthias Grünewald vor Augen. Hier bricht in die abgestorbene Dunkelheit der Welt das göttliche Licht des Ostermorgens mit ungeheurer Wucht ein. Christus entschwebt in einer Lichtglorie dem Grab, vor das hingestürzt die gesichtslosen Wächter liegen. In die heillose Finsternis der Welt verkündet der Altar das Unglaubliche: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Leben bricht sich seine Bahn. Gott selbst greift ein und holt den toten Sohn aus dem Grab. Das Grabtuch leuchtet in allen erdenklichen Farben und kündet vom Ostersieg Christi, in den wir Menschen mit hineingenommen sind. Es ist nicht nur die Auferstehung, es ist zugleich die Himmelfahrt Christi und seine Verherrlichung, die der Künstler hier in einem Bild zusammenbringt. Der Lebens- und Leidensweg Christi, den uns der Isenheimer Altar vorstellt, ist zugleich der Weg eines jeden Menschen. Keinem Mensch bleiben Leid und Tod erspart. Aber kein Leid und kein Tod ist endgültig. Kein Leben verliert sich in der Sinnlosigkeit. Gott selbst will jeden Menschen mit hineinnehmen in die neue Dimension des Lebens, in die uns Jesus Christus bereits vorausgegangen ist. Diese trostvolle Osterbotschaft bringt Grünewalds Osterbild für mich auf einzigartige Weise zum Ausdruck!


23.05.2012
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