St.-Jodokus-Kirche in Bielefeld ist nach Renovierung wieder geöffnet
Erneuerung mit Augenmaß
Bielefeld. „Prüfet alles, das Gute behaltet!“ Die Empfehlung des heiligen Paulus hätte auch gut das Motto für die achtmonatige Sanierungsphase der St.-Jodokus-Kirche in Bielefeld sein können. „Es ging nicht darum, hier alles neu zu machen, sondern zu schauen, was die Kirche zu bieten hat und wie man das Vorhandene eindeutiger positionieren kann“, umreißt der Berliner Bildhauer Professor Norbert Radermacher, der die Innengestaltung der Kirche mit Wencke Schoger und Johannes Reuter vorgenommen hat, seine Philosophie.
von Kay Müller
Die vorhandenen Kirchenschätze der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche wurden in ein neues Licht gerückt. So bildet die aus dem 17. Jahrhundert stammende Pieta jetzt einen Blickfang im Anbau der Kirche. Hinter der Figur verborgen ist ein kleiner Raum, der als Ruheraum oder für Beichtgespräche genutzt werden kann.
Der größte Schatz der Kirche, die „Schwarze Madonna“ von 1220, thront in einer neu für sie eingerichteten Nische am Kopf des Kreuzgangs. Der Kreuzgang selbst wurde mit einem Kreuzweg aus schwarzen Schieferplatten versehen, die auf Bilddarstellungen der Passion verzichten. Stattdessen liest man nur Satzfragmente wie „Nimmt das Kreuz auf sich“. Diese gewollte Kargheit solle „mit den Gedanken der Betrachter gefüllt werden“, erläutert Radermacher die Idee.
Schwarzer Schiefer und weißer Marmor sind die Materialien von Altar und Ambo im neu gestalteten Chorraum. Im Rahmen der Altarweihe am 27. März wurden sie von Weihbischof Matthias König bereits feierlich ihrer Bestimmung übergeben.
Auch der Bezug zur franziskanischen Tradition der Kirche wurde bei der Neugestaltung betont: Eine Skulptur des heiligen Franziskus wanderte vom Vorraum an einen Ehrenplatz im Langhaus der Kirche. Zudem wurden Apostelleuchter angebracht, die aus über 500 Jahre alten Bruchsteinen der Franziskanerkirche Jostberg gefertigt wurden. Wo es ins liturgische Konzept der Kirche passte, setzen raffinierte Details neue Akzente. Zum Beispiel die kleinen Opferkerzen-Nischen, die in die Wände eingelassen wurden. Etwa 140 Opferlichter brennen täglich in der Jodokuskirche, wie Pfarrer Josef Holtkotte berichtet. „Die Idee, dafür kleine Nischen zu schaffen, die das jeweilige Anliegen betonen, begeistert mich“, sagt der Pfarrer.
Hell und strahlend sei die Kirche geworden, schwärmt Holtkotte, der froh ist, dass nun wieder Gottesdienst in der Kirche, die in diesem Jahr 500 Jahre alt wird, gefeiert werden kann. Und auch die neu gestaltete Kapelle wird mit ihrer Einweihung am 4. April um 18.30 Uhr wieder in Betrieb genommen.







