Aktuelle Ausgabe
2012-20

Entwicklungsmöglichkeiten im ländlichen Raum des Dekanates Höxter

Der Letzte macht das Licht aus?

Rund 170 Teilnehmer waren auf Einladung des Dekanatsbildungswerkes zur Diskussion um die Zukunft ihres Lebensraumes in die Aula des Gymnsiums Brede in Brakel gekommen.Foto:Vieler

Brakel. Mit einer Ideenbörse aus verschiedensten Fachbereichen startete das Katholische Bildungswerk im Dekanat Höxter sein Zukunftspodium für den ländlichen Raum. Rund 170 Teilnehmer waren in die Aula des Gymnasiums Brede gekommen, um unter der Leitung von Michael Thamm mitzudiskutieren und ihre Vorstellungen für einen Fortbestand der ländlichen Lebenskultur zu leisten. „Der Letzte macht das Licht aus?“ lautete das Thema des Abends.

von Gerd Vieler

Schnell wurden die Sorgen vieler Dorfbewohner konkret: Wie lange können wir das Ausbluten der Dörfer noch aufhalten. Immer mehr Häuser stehen leer oder werden nur noch von ein oder zwei, meist älteren Personen bewohnt. Die Jungen sind der Arbeit nach in die Stadt gezogen. Die Läden und andere Einrichtungen schließen. Die letzte Kneipe hat vielleicht schon den Bierhahn für immer hochgedreht und bald auch noch die Kirche dicht, wenn der „demoskopische Faktor“ erstmal richtig zuschlägt. „Erst wollen sie keine Kinder kriegen und dann wollen sie nicht sterben“ – zitierte der Moderator einen kabarettistischen Beitrag und brachte die Problematik auf den Punkt.
Doch nicht die inzwischen allgemein bekannten Probleme sollten das Thema des Abends sein, sondern Lösungsansätze. Und so wurden auch schnell die Vorzüge der dörflichen Wohnkultur deutlich: die Wärme und der Zusammenhalt der Gemeinschaft im Dorf als Gegensatz zur anonymen Gesellschaft in der Stadt war für den Studenten Kai Schöttler ein entscheidender Pluspunkt des Dorfes.
Anke Schröder, Superintendentin des Kirchenkreises Paderborn zeigte wie viele andere sich begeistert vom ehrenamtlichen Engagement und dem regen Vereinsleben. Daher forderte sie dazu auf, solche Initiativen zu stärken.
Der ehemalige Landrat des Kreises Höxter, Hubertus Backhaus, sah gar eine Umkehr des bislang geltenden Grundsatzes, dass die Menschen dorthin gehen, wo die Arbeit ist. In Zukunft werde die Arbeit zu den Menschen gehen und die wohnten dort, wo die Lebensqualität am höchsten sei: in ländlich geprägten Gegenden.
Dorfentwicklungsforscher Prof. Dr. Gerhard Henkel riet zur Gründung von Bürger- oder Dorfvereinen auf, die über die Kirchturmpolitik der bestehenden Vereine das Dorf als ganzes im Blick hätten und sich darum kümmerten. So könne sich das Dorf selber helfen, wenn Problemsituationen entstünden.
Der neue Dechant des Dekanates, Gerhard Pieper, bestätigte, dass es zukünftig nicht mehr möglich sei, in jedem Dorf jeden Sonntag eine Eucharistiefeier anzubieten. Daher sei es wichtig, dass lebendige christliche Zellen entstünden, die ihren Glauben auch ohne Hauptamtliche leben könnten.


23.05.2012
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