Aktuelle Ausgabe
2012-20

Pastoralverbund Borgentreicher Land hat sich ein Pastoralstatut für die Zukunft überlegt

Die Kirche soll im Dorf bleiben

Wollen, dass die Menschen in den elf Gemeinden ihres Pastoralverbundes Borgentreicher Land auch weiterhin dort beten, wo sie arbeiten: (v. l.) Petra Krolpfeifer (Pfarrgemeinderat Natingen), Axel Eggers (Pfarrgemeinderat Körbecke), Pfarrer Werner Lütkefend und Vikar Raphael Schliebs. Foto: Vieler

Borgentreich. Elf Gemeinden, 7 000 Katholiken, vier Priester, ein Diakon und im Durchschnitt 20 Prozent Kirchenbesucher. So präsentiert sich derzeit der Pastoralverbund Borgentreicher Land. In einer „Magna Carta“ haben sie jetzt gemeinsam Pläne geschmiedet, wie Pastoral im ländlichen Raum in Zukunft aussehen kann.

von Gerd Vieler

Vertreter aller elf Gemeinden haben sich getroffen, um gemeinsam für die Zukunft vorzubeugen. Denn in Zukunft werden sich die Eckdaten für ihren Pastoralverbund stark verändert haben. Darauf wollen sie vorbereitet sein. Pfarrer Werner Lütkefend spricht von Landflucht, vergreisenden Dörfern, schrumpfenden Gemeinden, leer stehenden Wohnungen: Das sehen wir in unseren Gemeinden. Das hauptamtliche Seelsorgeteam werde sich in absehbarer Zeit auf zwei Priester, einen ständigen Diakon und eine Gemeindereferentin – sofern sich jemand bewirbt – reduzieren.
Auf dieser Grundlage möchten sie aber trotzdem die Identität der einzelnen Orte erhalten und nicht zu einem Zentralismus übergehen, bei dem am Ende nur noch eine Zentralkirche übrig bleibt. Vielmehr sollen alle Gemeinden wie bisher ihre Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte behalten. Die Verbände und Gruppen sollen unverändert bestehen bleiben. Initiativen und Kooperationen sollen bei Bedarf und nach Anlass angegangen werden. In der Gemeinde soll es beauftragte Ansprechpartner für die kirchlichen Belange geben. „Wir wollen die anstehenden Probleme vor Ort lösen“, sagt Petra Krolpfeifer, Pfarrgemeinderatsvorsitzende im Ortsteil Natingen.
Das bestätigt auch Axel Eggers vom Pfarrgemeinderat Körbecke: „Wir brauchen in den Gemeinden eine Bezugsperson. Bei unvermeidlichen Terminkollisionen (In welcher Gemeinde findet die Osternachtfeier statt? Wo ist am Weißen Sonntag Erstkommunion?) müssen wir das Konkurrenzdenken zwischen den Gemeinden reduzieren.“ Das sei allerdings ein langwieriger Prozess.
Petra Krolpfeifer sieht noch eine andere Gefahr in Gemeinden, die noch einen eigenen Pfarrer haben. Dort sagten die Menschen: „Bei uns ist doch noch alles in Ordnung“ und glaubten nicht, dass sie in einigen Jahren keinen eigenen Priester mehr in der Gemeinde haben.
Doch für manche der kleinen Orte mit nur wenigen Hundert Katholiken sei es auch schon Realität, dass nach dem Arzt, der Post, dem Lebensmittelladen, der Schule und manchem anderen nun auch noch der Pastor geht.
Gegen dieses Denken des Noch wollen sie arbeiten. „Die Kirche muss im Dorf bleiben“, sagt Pfarrer Lütkefend, solange es gewünscht wird und Menschen durch ihr Engagement Bedarf dafür zeigen.
Das bedeute aber auch eine Verlagerung von der durch den Priester versorgten Gemeinde hin zur mitsorgenden Gemeinde. Denn anders als in benachbarten Stadt-Kirchengemeinden hätten die dörflichen Gemeinden als geschlossene Ortschaften eine jeweils eigene Identität, die es zu erhalten gelte. Die Menschen wollten da beten, wo sie leben und nicht in der Kirche in einem anderen Ort. Daher müsse die Kirche im Dorf bleiben. Um das zu gewährleisten, haben sich schon elf Mitglieder des Pastoralverbundes in einem Kurs auf Dekanatsebene zum Wort-Gottes-Dienst-Leiter ausbilden lassen und stünden nun „Gewehr bei Fuß“ für die Feier von Totengebeten, Andachten, Wort- und Werktagsgottesdiensten. Auch sonntags sollte beim Fehlen eines Priesters ein Wortgottesdienst angeboten werden für diejenigen, die nicht in den Nachbarort zur Eucharistie­feier gehen können. Ziel sei es, dass in den Kirchen aller Gemeinden auch noch die Glocken zum Gottesdienst rufen, um die Kirche im Dorf zu lassen. (Siehe dazu auch „Lust auf Leben-Festival“!)

 

INFO

Mit einem „Lust auf Leben-Festival“ will der Pastoralverbund Borgentreicher Land am 17. Mai in der Gemeinde Borgholz das Leben auf dem Lande feiern und das Bewusstsein und den Stolz für den eigenen Lebensraum wecken.
Von 10 bis 17 Uhr gibt es in dem Borgentreicher Ortsteil rund um Kirche, Burg und Kindergarten ein buntes Programm, in der sich die verschiedensten Initiativen der Region ein Stelldichein geben. Von Pilzpfanne bis Messweinprobe, Lanz-Traktor-Fahrten, Bibelarbeit und Tanz ist fast alles aus den Gemeinden vertreten.


23.05.2012
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