Krankenhäuser in Not – nicht nur in Paderborn
„Es schlägt fünf vor zwölf“
Paderborn/Berlin. „Die Krankenhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand!“, betont Dr. Josef Düllings, Hauptgeschäftsführer des St.-Vincenz-Krankenhauses in Paderborn und des St.-Josefs-Krankenhauses in Salzkotten. Um auf die bundesweit prekäre Finanzlage der Krankenhäuser aufmerksam zu machen, gehen deren Mitarbeiter am 25. September in Berlin auf die Straße. Die Paderborner Krankenhäuser sind auch dabei.
von Carolin Beyel
„Wir wollen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Patientenversorgung erreichen“, erklärt Dr. Josef Düllings. Denn heutzutage stünde es um beides schlecht. Das Personal müsse für weniger Geld länger arbeiten und mehr Patienten versorgen. Im evangelischen St. Johannisstift Paderborn hätten alle 250 Mitarbeiter bereits eine Verzichtserklärung auf 50 Prozent des Weihnachtsgeldes unterschrieben. „Nur so war es möglich, den Stellenabbau zu stoppen“, erläutert Annegret Jäger, Vorsitzende des St. Johannisstift Paderborn. Und im St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten seien Wartebereiche bereits zu Patientenzimmern umgebaut worden sein, um die Behandlung zu gewährleisten, wie Dr. Düllings berichtet.
Die gemeinsame Forderung an das Gesundheitsministerium lautet nun: Stopp der aktuellen Budgetkürzungen, Aufhebung des „Finanzdeckels“ und Gegenfinanzierung der Tariflohnsteigerungen!
Die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben sei längst zu hoch und werde 2009 sogar noch weiter steigen, befürchten die Klinikchefs. Für das St.-Josef-Krankenhaus in Salzkotten bedeutet das erhebliche Defizite. Die Finanzierungslücke in diesem Jahr beläuft sich dort schon auf zwei Millionen Euro. Im nächsten Jahr würden wohl noch etwa 2,9 Millionen Euro dazukommen. „Wir bleiben auf einer hohen Summe bei einer ausgezehrten Finanzstruktur sitzen“, mahnt Dr. Düllings, „ohne Verschlechterung der Qualität oder Gesetzesänderung lässt sich diese Lücke nicht schließen!“. Auch Dr. Martin Meyer, Kaufmännischer Direktor des Brüderkrankenhauses St. Josef Paderborn, weiß ohne Gesetzesänderung nicht weiter. Denn das Brüderkrankenhaus schreibt ebenso rote Zahlen in Millionen Höhe. Doch weitere Stellen zu streichen, würde einfach nicht mehr gehen. „Eine vollständige Kostenkompensierung seitens des Krankenhauses ist einfach nicht möglich“, meint auch Dr. Meyer.
Aus diesem Grund schicken die Paderborner Krankenhausleiter ihre Mitarbeiter am 25. September nach Berlin zur Großdemonstration des Aktionsbündnisses „Rettung der Krankenhäuser“.
Es würden insgesamt 320 Mitarbeiter des St.-Vincenz-Krankenhauses Paderborn und des St.-Josefs-Krankenhauses Salzkotten in die Hauptstadt fahren. Das Brüderkrankenhaus St.-Josef Paderborn sei mit 100 und das St. Johannisstift Paderborn mit etwa 40 Mitarbeitern vertreten.
Aus NRW würden rund 10000 und aus dem gesamten Bundesgebiet bis zu 50000 Demonstranten erwartet. „Wir wollen gegen eine Billigmedizin und Wartelistenmedizin kämpfen!“, so Dr. Josef Düllings.







