Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Fairer Handel keine Wohltätigkeit

Andreas Tillmann ist Diözesanvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Paderborn.

von Andreas Tillmann 

Halbzeit für die Faire Woche. Noch bis zum 26. September findet deutschlandweit die zweiwöchige „Faire Woche 2010“ statt. Kirchen, Jugendverbände, Verbraucherorganisationen, entwicklungspolitische Initiativen, Schulen, Medien, Politik, Wirtschaft, Handel und Einzelpersonen oder Familien sind eingeladen, sich an der Aktionswoche mit eigenen Veranstaltungen zu beteiligen. Es sind zahlreiche Veranstaltungen von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten, Kantinen und Einzelpersonen geplant, mit dem gemeinsamen Ziel, den Fairen Handel in Deutschland noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. 

Doch das große Interesse am Fairen Handel in diesen zwei Wochen täuscht über die Wirklichkeit hinweg. Das Handelsvolumen von fairen Produkten ist seit dem Beginn des Fairen Handels vor 40 Jahren – trotz großen Wachstums – gegenüber dem Gesamtkonsum verschwindend gering geblieben. Die Ursachen sind vielschichtig, obwohl Fairer Handel nie einfacher war als heute. In fast jeder Stadt kann fair gehandelte Ware gekauft werden. Und auch geschmacklich hat sich vieles geändert. Die Produkte können in Qualität und Geschmack mit den Klassikern von konventionellen Herstellern mithalten. 

Dabei ist Fairer Handel keine besondere Form von Wohltätigkeit, sondern eine wirkliche und notwendige Alternative zum herkömmlichen Handel. Er beweist, dass eine Wirtschaft möglich ist, die Menschenrechte und die Umwelt respektiert. Die Ressourcen werden anders verteilt. Einfache, aber grundlegende Regeln werden eingehalten: Der Arbeiter erhält einen stabilen und gerechten Preis für seine Leistung. Die Handelsbeziehungen werden transparenter. Die Arbeit Minderjähriger wird nicht ausgebeutet. Den Bedürfnissen der Umwelt wird Rechnung getragen. Im Gegensatz zur traditionellen Wirtschaft tragen alle Teilnehmer Verantwortung, vom Produzenten bis zum Konsumenten.  

Es gibt viele positive Initiativen, die für andere ein Beispiel sein können. Fairer Handel will zeigen, dass eine andere Wirtschaft möglich ist. Ökonomen muss bewusst werden, dass das traditionelle Wirtschaftssystem schon deshalb ungeeignet ist, weil es Ungleichheit und Ungerechtigkeit schafft und die Umwelt zerstört. Fairer Handel will ökonomische und soziale Entwicklungen auslösen – und das nicht nur für wenige. Also greifen Sie beherzt zu.


23.05.2012
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