Gedanken zum Evangelium
Familie ist wieder „in“!
Familie wird wieder geschätzt. Auch die Kirche hat die Würde der christlichen Familie als „Hauskirche“ wiederentdeckt. Die Kirche lebt aus den Familien, so schreibt Diözesanjugendseelsorger Stephan Schröder zum Fest der Heiligen Familie.
von Stephan Schröder
Nach Jahren des Abgesangs ist die Familie wieder im Gespräch. Die Familie ist wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Das belegen auch neueste Erhebungen: So hat das Institut für Demoskopie Allensbach in einem Generationsbarometer hervorgehoben, dass die Familie für die Deutschen eindeutig das Wichtigste im Leben sei. Für 76 Prozent der Bundesbürger steht sie an erster Stelle, während der Beruf mit acht Prozent, der Freundeskreis mit acht Prozent und Hobbys mit vier Prozent weit abgeschlagen sind. Demnach setzen die meisten Menschen in Deutschland auf die Familie, weil sie dort am ehesten Geborgenheit und Sicherheit erwarten.
Doch die Jahre, als die Familie noch ein Auslaufmodell zu sein schien, sind nicht spurlos an unserer Gesellschaft vorübergegangen. Die heutige Familie ist nicht mehr mit der vor 30 Jahren zu vergleichen. Aber vielleicht gerade weil es immer mehr alleinerziehende Mütter gibt, weil jede zweite bis dritte Ehe geschieden wird, sucht insbesondere die Jugend wieder nach stabilen Familienverhältnissen, suchen sie nach dem, was sie vielleicht vermissen.
Die Kirche hat die Familie nie aufgegeben. Das Fest der Heiligen Familie erinnert uns daran, dass Jesus in einer Familie aufgewachsen ist und den größten Teil seines Lebens, nämlich 30 Jahre, in ihr verbracht hat. Für ihn war und ist sozusagen Familie „IN“, weil seine Familie ihm Halt, Schutz, Geborgenheit und Liebe geschenkt hat. Diese Familie lebte nicht in einer himmlischen Familienidylle, sie lebte in der Realität, in einer Welt von Mord, Flucht, Krisen und Herausforderungen. Sie ist eine Familie, in der Gott einen festen Platz hat. Maria spricht mit ihrem „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ ihr bedingungsloses „Ja“ zu Gottes Plänen. Im Lukasevangelium wird berichtet, dass die Eltern nach Jerusalem gingen, um Jesus dem Herrn zu weihen. Weiter heißt es: „Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.“ Der Sohn Gottes wächst also in einer Familie auf und heiligt sie dadurch.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Familie als Ort der Glaubensweitergabe wieder neu entdeckt und spricht deshalb von der „Hauskirche“. Die frühe Kirche ist in den Häusern gewachsen. Diese christlichen Häuser wurden zu Zentren christlichen Lebens. Da wurde der Glaube von Generation zu Generation weitergegeben. Vor allem in den ersten Jahrhunderten versammelten sich die Christen in Familienhäusern. Erst später wurden die Kirchen unter Kaiser Konstantin gebaut. Papst Johannes Paul II. war davon überzeugt, dass die Evangelisierung in Zukunft ganz wesentlich von der „Hauskirche“, also der Familie abhängen wird; so spricht er nicht ohne Grund von der Familie als „Kirche im Kleinen“.
Dass es auch unterschiedliche Formen und Zusammenschlüsse von Familien geben kann, ist für die Kirche nichts Neues. So gibt es nicht nur die „normale“ Familie, sondern auch Ordensgemeinschaften, religiöse Gruppierungen, Priesterbruderschaften, „Vita communis“, katholische Verbände, Laienbewegungen, die Formen des familiären Zusammenlebens pflegen. Eines ist allen gemeinsam: Sie orientieren sich an dem Modell der christlichen Familie, wo Gemeinschaft großgeschrieben wird und der Glaube die Grundlage des gemeinsamen Lebens darstellt.
Daher wünsche ich jedem Menschen eine Familie oder eine familiäre Gemeinschaft, die Halt, Geborgenheit und Liebe schenkt und sich ganz im Sinne der Heiligen Familie für Gott und seine Pläne öffnet.







