Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Predigt von Erzbischof Hans-Josef Becker am Hochfest Fronleichnam

„Fest der Wandlung“

Erzbischof Becker: „Die Wandlung erfasst unser Leben.“

Paderborn (pdp). „Die Eucharistie ist nicht ein Mahl der Seligen, sondern das Mahl der Sünder, der Verwundeten des Lebens“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt am Hochfest Fronleichnam im Hohen Dom zu Paderborn. Auch wenn der äußere, traditionell geprägte Eindruck in eine andere Richtung gehe, sei Fronleichnam ein „progressives Fest“: Fronleichnam habe mit „Fort-Schritt“ zu tun, mit der tiefgreifenden Wandlung des Menschen und der Welt.  

Ohne „Wandlung“ bleibe das Geheimnis der Eucharistie unvollendet, reine Anschauung und Theorie, so Becker. Die Wandlung von Brot und Wein auf dem Altar sei ein Anfang, eine „Initialzündung voller Energie“: „Sie will sich fortsetzen in der Verwandlung jedes einzelnen Christen, der Kirche, ja der ganzen Welt.“ Die in der Eucharistie geschehende „Wandlung“ gehe nicht über den Menschen hinweg oder an ihm vorbei, „sie erfasst uns selbst: unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, mit all seiner Größe und Begrenztheit. Wir werden in der Wandlung zum Leib Christi und damit christusförmig, zu Menschen, die in der Gegenwart Christi leben und so für ihn Zeugnis geben.“ Das an Fronleichnam öffentlich bekannte „Geheimnis der Wandlung“ motiviere dazu, Veränderungen zuzulassen und Wandlung geschehen zu lassen, sagte der Erzbischof. „Das fängt an im Leben eines jeden einzelnen von uns, betrifft aber ebenso unsere Gemeinschaften und Gemeinden und die ganze krisengeschüttelte Kirche unserer Tage.“

Wer heute von „Umbruch“, „Erneuerung“, „Wandlung“ spreche, „Reformbedarf“ anmelde und Forderungen erhebe, müsse hinreichend im Blick haben, „wo“ solche Veränderungen ihren Anfang nehmen müssten, so Erzbischof Becker. Veränderungen müssten ihren Anfang nehmen „im tiefen, ‚unscheinbaren’, aber wirkungsvollen Geheimnis der Eucharistie, das uns lehrt, wie sich jemand in Anspruch nehmen, ja ausliefern lässt, um die Menschen zu verwandeln. Hieran sollten wir Christen, sollte die Kirche Maß nehmen und sich nicht zu schade sein, anstelle von Transparenten das Kreuz der gegenwärtigen Bedrängnis anzunehmen und zu tragen“. Nur so erweise sich die Kirche als eine im Glauben verwurzelte „ecclesia semper reformanda“, eine Kirche der inneren und dann auch der äußeren Reformfreudigkeit. 

Die Prozessionen des Fronleichnamfestes, das „Hinausgehen in die Welt“ weise auf die Dynamik und Wandlungskraft des Glaubens hin, erläuterte Becker weiter. „Genau das meinen heute auch die ‚sprechenden Zeichen’ unserer geschmückten Häuser, die Fahnen am Straßenrand, die Stationen am Weg, der Segen in alle vier Himmelsrichtungen.“ Erzbischof Becker sagte zum Abschluss seiner Predigt: „Jedes Mal, wenn wir miteinander Eucharistie feiern, immer dann, wenn wir die Wandlung am Altar gläubig mit vollziehen, geht auch unsere Verwandlung ein Stück weiter: bis wir – in den Stürmen der Zeit geläutert und gereift – an das Ziel gelangen, zu dem Gott uns berufen hat: Ihm nahe sein zu dürfen, um ihn zu schauen von Angesicht zu Angesicht“.

 


23.05.2012
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