Aktuelle Ausgabe
2012-20

Interview mit Dirk Wummel, dem „Finanzminister“ im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn

Finanzschätzung zu optimistisch

Ist für die Finanzen des Erzbistums verantwortlich: Dirk Wummel. Foto: Vieler

Paderborn. Die Krise gehe am Bistum zunächst vorbei, hatte der DOM in seiner jüngsten Ausgabe kommentiert. Und dabei Bezug auf den aktuellen Haushaltsplan im Amstblatt genommen. Eine Einschätzung, die sich laut Finanzchef Dirk Wummel so nicht halten lasse.
 
Das Jahr 2008 war ein gutes Jahr im Blick auf die Kirchensteuereinnahmen! Wie bewerten Sie die Entwicklung?
In der Tat, das Kirchensteueraufkommen im Jahr 2008 war mit circa 320 Millionen Euro das höchste Aufkommen in der Geschichte des Erzbistums. Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Kirchensteuerzahlern. Allerdings hatten wir bereits im Jahre 1993 schon ein Kirchensteueraufkommen von über 300 Millionen Euro. Seit dieser Zeit sind die Energiepreise um 80 Prozent gestiegen und die Vergütung des öffentlichen Dienstes um knapp 40 Prozent. Das heißt konkret: Real ist das Kirchensteueraufkommen im Vergleichszeitraum deutlich gefallen. Erfreulich: Nach Jahren der Haushaltsdefizite konnten die letzten drei Jahre positiv abgeschlossen werden.

Der Kirchensteuerrat ist in seiner Sitzung im September 2008 von Kirchensteuereinnahmen von 315 Mio. Euro für das Jahr 2009 ausgegangen. Seit September hat sich die Finanz- und Wirtschaftslage verschärft. Bleibt es bei der positiven Entwicklung?  
Es gibt drei wesentliche Ereignisse seit der September-Sitzung des Kirchensteuerrates, die auf die Entwicklung der Kirchensteuer Einfluss haben.
1. Die wirtschaftliche Lage hat sich seither dramatisch verschlechtert, weit stärker als das die Experten im September letzten Jahres voraussehen konnten. Für die Kirchensteuereinnahmen ist die Beschäftigungsentwicklung von größter Bedeutung. Wir rechnen nun mit einer deutlichen Steigerung der Arbeitslosenzahlen im 2. und 3. Quartal dieses Jahres und somit mit deutlich weniger Kirchensteuer.
2. Das Bundesverfassungsgericht hat sein Urteil zur „Pendlerpauschale“ gesprochen, die im ersten Halbjahr den Bürgern zurückerstattet werden soll. Auch dies hat Konsequenzen für die Kirchensteuereinnahmen.
3. Das Konjunkturpaket II wird voraussichtlich in diesen Tagen in Kraft gesetzt. Das bedeutet eine Absenkung des Eingangssteuersatzes und eine Erhöhung des Freibetra-ges. Da die Kirchensteuer von der Lohn- und Einkommensteuer abhängt, führt auch das zu weniger Kirchensteuereinnahmen.
Vor diesem Hintergrund war die damalige Schätzung des Kirchensteuerrates des Erzbistums im September 2008 zu optimistisch.

Sie haben noch nicht die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge erwähnt.
Hier die Auswirkungen auf die Kirchensteuer zu quantifizieren, fällt mir schwer. Ich gehe davon aus, dass alle Katholiken ihrer Bank die Religionszugehörigkeit mitgeteilt haben. Aber noch wichtiger ist das „Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung“, das es dem Steuerzahler ermöglicht, seine Krankenkassenbeiträge von den Steuern abzusetzen. Dies gilt voraussichtlich ab 1.1. 2010 und führt zu Mindereinnahmen von jährlich über 10 Millionen Euro für das Erzbistum.

Gibt es keine positive Nachricht, bei so vielen negativen Nachrichten?

Es gibt auch gute Nachrichten. Ich lade alle Kirchengemeinden und Einrichtungen dazu ein, darüber nachzudenken, ob sie an Investitionszuschüssen aus dem Konjunkturpaket II nicht teilhaben können, z. B. bei Kindergartensanierungen. Wir als Erzbistum werden entsprechende Anträge für unsere Schulen und Bildungshäuser stellen, was unseren Investitionshaushalt entlasten würde. Ich erwarte auch eine merkliche Entlastung der Energiekosten bei den Kirchengemeinden aufgrund der gesunkenen Rohstoffpreise.

Wenn Sie heute von deutlich weniger Kirchensteuereinnahmen als die im September geschätzten 315 Millionen Euro ausgehen, wie wird dann das Erzbistum darauf reagieren?
Der Kirchensteuerrat des Erzbistums Paderborn ist bekannt für seine langfristige und wohlüberlegte Politik. Das es zu Kürzungen/Reduzierungen kommen wird, daran gibt es meines Erachtens kaum einen Zweifel. Wir wollen die ersten Monate im Jahr 2009 abwarten, um zu sehen, ob sich der bereits feststellbare negative Trend des Januars verstärkt oder vermindert, um die Größenordnung der Kürzungen besser bestimmen zu können. Dann werden wir die entsprechenden Maßnahmen treffen. Schon heute kann ich allerdings ankündigen, dass unser Programm zur Förderung von Energiesparmaßnahmen bei Kirchengemeinden nicht verlängert wird.

Wird dann auch bei den Ausgaben für die Fort- und Weiterbildung der Priester gespart, die ja mit 10 000 Euro  – wie Der DOM berichtete – pro Priester sehr hoch sind?
Ich weiß nicht, wie „Der Dom“ auf diese Zahl pro Priester kommt. In den im Bistumshaushalt ausgewiesenen Aus- und Weiterbildungskosten sind die Etats des Priesterseminars und des Leokonvikts enthalten, wo wir 2009 Vorsorge für bauliche Maßnahmen getroffen haben.


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002