Stadt Bielefeld stimmt Minarett-Bauantrag der Vatan-Moschee zu
Frage des Vertrauens und des Dialogs
Bielefeld. Lange hatten sich die Anwohner dagegen gewehrt. Doch nun darf der Türkisch-Islamische Kulturverein aus Bielefeld-Brackwede doch ein Minarett an die VatanMoschee bauen. Allerdings ein mit 16 Metern deutlich kleineres als zunächst beantragt.
von Martin Tobias Rupprecht
Die Bielefelder Tageszeitung Westfalen-Blatt beginnt am 25. Oktober 1997 ihren Artikel so: „Der Türkisch-Islamische-Kulturverein Ditib in Köln hat an der Windelsbleicher Straße in Brackwede ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, um dort eine Moschee für seine Gläubigen zu bauen. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Verein beim Bauordnungsamt eine Bauvoranfrage gestellt. Wann der erste Spatenstich getan wird, ist nach Angaben eines Mitglieds der moslemischen Glaubensgemeinschaft ungeklärt.“
Mehr als elf Jahre später rückt das Interesse für diese Moschee, die Vatan-Moschee, wieder in den öffentlichen Blickpunkt. Der Bau der Moschee wurde damals vom Bauamt genehmigt, aber mit der Auflage sie ohne Minarett zu errichten. Und auch das Westfalen-Blatt vermeldete damals: „Ein Minarett soll es jedoch nicht geben, nur eine Art Kuppel“.
Nun also doch ein Minarett.Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der Diyanet Türkisch-Islamische Kulturverein einen Bauantrag eingereicht. Doch dieser wurde zunächst abgelehnt, das Minarett war mit 22 Metern deutlich zu hoch. „Es fügt sich in seiner Höhe nicht in die Umgebung ein“, erklärte Bauamtsleiter Wolfgang Goldbeck damals auf DOM-Nachfrage.
Nun verständigten sich das Bauamt und der Türkisch-Islamische Kulturverein auf eine 16 Meter hohe Variante. „Nachdem der Bauherr, der Diyanet Türkisch-Islamischer Kulturverein, auf die Forderungen des Bauamtes eingegangen ist, das geplante Minarett an der Windelsbleicher Straße von der Höhe her erheblich zu reduzieren, bestehen seitens der Stadt hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit keine Bedenken mehr“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bauamtes.
Auch im Flächennutzungsplan stehe dem Bau nichts im Wege, es sei gewerbliche Baufläche und das Minarett müsse sich als Auflage ins Stadtbild einfügen, so die Stadt Bielefeld in ihrem Internetauftritt.
Der Bauantrag sieht nicht vor, dass Gebete von dem Turm schallen sollen. Weder ein Platz für den Gebetsrufer, den Muezzin, ist vorgesehen, noch die Anbringung von Lautsprechern.
In Brackwede regte sich nach Bekanntwerden der Bauantragsstellung erheblicher Protest unter den Anwohnern. Unterschriften wurden gesammelt und vor allem die CDU vor Ort stellte sich gegen das Bauvorhaben.
Dass die Einwohner um die Moschee herum in den meisten Fällen nichts gegen die Moschee haben, sondern viel mehr gegen die Art und Weise wie der Kulturverein seine Interessen im Bezug auf den Bau eines Minaretts durchsetzen will, zeigte der Abend der „Bürgerinitiative gegen den Minarettbau“ am 23. Februar 2008. Gudrun und Erich Bentrupp formulierten damals sehr eindeutig: „Wir sind direkte Nachbarn des Kulturvereins. Unsere Grundstücke grenzen direkt aneinander. Dort ist alles sauber und ordentlich. Die Leute sind wirklich nett und freundlich. Aber wir wollen trotzdem kein Minarett.“
Pfarrer Günter Faust, Leiter des Pastoralverbundes Brackwede-Quelle-Ummeln, zeigt sich nachdenklich. „Man muss den Dialog suchen, beide Seiten haben gewisse Ängste und nur durch den Dialog kann man daran arbeiten. Dialog hat aber auch mit Vertrauen und Offenheit zu tun. Wenn diese Offenheit und das Vertrauen und auch der Umgang mit Sorgen und Ängsten von beiden Seiten mit Rücksicht und Respekt geschieht, dann kann ein Zusammenleben optimal gelingen“, so Pfarrer Faust.
Nicht nur Pfarrer Faust, sondern auch der evangelische Pfarrer Wolfgang Bergmann aus Brackwede ist vor dem Sommer 2009 bemüht, den Dialog zu suchen und eine gemeinsame Position zu finden.
In Bielefeld gibt es eine große Dichte an öffentlichen und privaten Moscheen. Die Vatan-Moschee an der Windelsbleicher Straße ist zusammen mit der Moschee an der Ernst-Rein-Straße eine der größten in Bielefeld. Trotzdem fällt sie mit ihrer charakteristischen großen Kuppel nicht sofort ins Auge und fügt sich ins Stadtbild ein. Ursprünglich besuchten die moslemischen Mitarbeiter der Firma Mannesmann und Umgebung, eine Moschee, die 1969 in der Nähe der Firma gebaut wurde. Sie bot Platz für 100 Besucher. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten (nur eine Toilette) und der unsicheren Eigentumsverhältnisse wünschte sich die moslemische Interessensgemeinschaft einen eigenen Gebetsraum und baute schließlich die Vatan-Moschee.







