Aktuelle Ausgabe
2012-20

Frauengottesdienst im Michaelskloster Paderborn

Frauen kommen in Bewegung

Lichtritual beim Frauengottesdienst: In einer Kerze die eigenen Gedanken zu Jesus an den Altar tragen. Foto: Schleyer

Paderborn. Zum ersten Gottesdienst im Rahmen des Projektes „Frauenkirche“ hatte der kfd-Diözesanverband ins Paderborner Michaelskloster eingeladen.

von Richard Schleyer 

Frauen in Bewegung bringen wollte der erste Frauengottesdienst in der Kirche des Michelskloster Paderborn. Vielen der über 90 Frauen, die an diesem Sonntagabend aus den umliegenden Dekanaten, aber auch aus Bielefeld und Bestwig angereist waren, erschien die Form zunächst ungewohnt, wie sie hinterher bekannten. Besinnliche Gebete und Rituale ließen die Frauen zunächst zur Ruhe kommen und in eine gesammelte Atmosphäre finden. Doch dann wurden die Frauen aus ihren Bänken gelockt, suchten verschiedene Orte in der Kirche auf, die sie besonders ansprachen, den Altar, die Madonnenstatue, den Tabernakel, das Chorgestühl, die Christusstele im hinteren Raum, die Seitenkapelle. Wenn sie sich dann, so wie sie gerade zusammenstanden, über den Grund ihrer Wahl und das Besondere dieses Platzes austauschen, würde auch der eigene Glaube mit seinen persönlichen und gewachsenen spirituellen Wurzeln mit ins Gespräch kommen. Dies erhoffte sich das Vorbereitungsteam um Christa Mertens, Geistliche Begleiterin des kfd-Diözesanverbandes, und Roland Schmitz, kfd-Diözesanpräses. Viele Frauen folgten dieser Gesprächeinladung, andere suchten sich einen stillen Platz, um nachzudenken und zu beten. 

Ein Frauengottesdienst muss kommunikativ sein, Begegnungsmöglichkeiten bieten, Frauen zueinander führen. Dies war der eine Akzent, den Christa Mertens und ihr Team für den Gottesdienstverlauf setzen wollten. Einen zweiten stellte die Geistliche Begleiterin aber als entscheidenden Impuls für das Frauenkirchen-Projekt „Frauen finden Kirche“ überhaupt heraus, das der Diözesanverband der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) mit dem Gottesdienst im Michaelskloster startete: „Die Frauen sollen sich selber als Trägerinnen des Gottesdienstes erfahren.“ Dieses Anliegen bestimmte laut Christa Mertens den Ablauf. Um eine freiere Gestalt zu ermöglichen, hatte das Vorbereitungsteam bewusst auf die Form der Eucharistiefeier verzichtet. Die geistliche Kompetenz der Frauen selber sollte die Verkündigung in diesem Gottesdienst tragen. Die Frauen selber erschlossen einander im Gespräch das Evangelium. Dies geschah im zweiten Teil des persönlichen Austausches.

Als Evangelium war jene Stelle im Lukasevangelium ausgewählt worden, die erzählt, wie Jesus und seine Jünger von Dorf zu Dorf wanderten, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden, und dass auch Frauen sich im Gefolge Jesu befanden. Solches spirituelle Unterwegssein wurde nun den Frauen nicht nur in Texten und Riten vorgeführt. Sie sollten es in Kommunikation und Ritual selber vollziehen und erleben. Nach der Eingangsmeditation von Pastor Schmitz lud Christa Mertens die Frauen zu einer Lichterprozession ein. Eine nach der anderen trat aus der Bank, nahm ein Teelicht, zündete es an und stellte es in eine mit Sand gefüllte Platte auf dem Altar. Die Kerze sollte symbolisieren, was Frauen in die Nachfolge Jesu einlädt, aber auch, was sie daran hindert. Um diese Behinderungen auf dem Altar abzulegen, durften die Frauen auch Zeichen oder Buchstaben in den Sand schrei-ben. Dabei sangen alle den Taize-Vers „Geh mit uns“. 

Dieses Ritual trugen jüngere wie ältere Frauen sehr gesammelt und andächtig mit. Der an das Evangelium anschließende Austausch kam zwar in Gang. Doch dass sich in ihm „Verkündigung auf andere Weise“ vollziehen sollte, wurde den meisten nicht bewusst. Wie sich aus Rückmeldungen bei dem Imbiss nach dem Gottesdienst ergab, hätte mancher Frau eine deutende Meditation oder ein erschließendes Dankgebet geholfen, den Sinn dieser Struktur zu verstehen und anzunehmen. 

Mit dem Projekt „Frauenkirche“ verbindet der Diözesanverband der kfd das Ziel, Frauen in Gottesdiensten darin zu bestärken, ihre eigene Spiritualität zu finden und zu pflegen. Die geistlichen Charismen sollen geweckt und gefördert werden, wie Christa Mertens betont. Für diese Frauengottesdienste will die kfd in der ganzen Diözese kirchliche Räume finden, die Frauen ansprechen. Dieses Jahr lädt die Kirche des Michaelsklosters und seiner Mädchenschulen die „Frauenkirche“ ein. Für das nächste Jahr wird ein Ort mehr im Westen des Bistums gesucht. Der nächste Frauengottesdienst in Paderborn ist für den 25. Juli um 19 Uhr geplant.

 


23.05.2012
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