Aktuelle Ausgabe
2012-20

Familienzentrum St. Josef Wickede nimmt am Sprachförderungsprogramm für Kindertagesstätten teil

„Frühe Chancen“ für alle Kinder

Die Erzieherin Annette Rosky hat sich zur Sprachförder-Fachkraft fortgebildet. Sie unterstützt spielerisch und gruppenübergreifend die individuelle sprachliche Entwicklung der Kinder.

Wickede. Das Familienzen-trum St. Josef in Wickede geht in die Sprachförder-Offensive: Als eine von nur zwölf Einrichtungen im Gebiet Kreis Soest/Paderborn ist der katholische Kindergarten vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in das Programm „Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ aufgenommen worden.  

Von den bereitgestellten Mitteln in Höhe von 25 000 Euro pro Jahr hat die Kita mit der Erzieherin Annette Rosky eine zusätzliche qualifizierte Sprachförder-Fachkraft eingestellt. Sie unterstützt die individuelle sprachliche Entwicklung der Kinder. Das Programm läuft im Josefskindergarten zunächst bis zum Jahr 2014. Das Familienzentrum St. Josef ist darüber hinaus die einzige geförderte Einrichtung, die sich in der Trägerschaft der katholischen Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH befindet. Heinz-Ulrich Rüther, Geschäftsführer der kath. Kita gGmbH Hellweg: „Sprachförderung ist der Schlüssel zu Integration und Bildungsaufstieg. Ich freue mich sehr, dass der Josefskindergarten aus einer Fülle von Bewerbungen vom Bundesministerium für das Förderprogramm ausgewählt wurde.“ 

Der Josefskindergarten liegt in einem Gebiet mit hohem Ausländeranteil. Von den rund 70 Kindergartenkindern hat die Hälfte einen Migrationshintergrund. Die Kinder stammen aus der ehemaligen UdSSR, der Türkei, aus dem arabischen Raum oder aus Portugal. Hinzukommt nach den Sommerferien dank eines Anbaus für die U3-Betreuung ein Dutzend Kinder ab zwei Jahren. Mit dieser Situation hat der Josefskindergarten alle Voraussetzungen erfüllt, um in das Programm aufgenommen zu werden. 

Die Politik will mit dem neuen Konzept alles besser machen. Die bisherigen Förderprogramme sind nach Angaben der Regierung nämlich ernüchternd verlaufen. Keines habe bislang zu einer Steigerung der Sprachkompetenz geführt. Als Gründe nennt das Ministerium, dass die bisherigen auf das letzte Kita-Jahr beschränkten Förderzeiträume zu kurz gewesen seien. Zudem habe eine isolierte Förderung sich als nicht zielführend erwiesen. Die Sprachförderung „Frühe Chancen“ setzt daher ganz anders an. Sie beginnt vor oder spätestens ab dem 3. Lebensjahr. Und: Sie findet dauerhaft statt und ist in den Kita-Alltag integriert. „Auf diese Weise wird ein Handlungsbedarf schnell erkannt, und zwar bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sagt Kita-Leiterin Sigrid Buchta. Was zählt, sei der Gesamteindruck, nicht ein einzelner Test. Geübt wird stets gruppenübergreifend. Alle Kinder machen mit – egal, ob sie förderbedürftig sind oder nicht. Dazu Annette Rosky: „Die sprachschwächeren Kinder lernen so von den Kindern mit mehr Sprachkompetenz.“ 

In erster Linie sind es aber gar nicht einmal die Kinder mit Migrationshintergrund, die der Kita-Leiterin Sorgen bereiten. „Diese Kinder haben zwar Defizite in der deutschen Sprache. Aber sie sprechen zumindest ihre Muttersprache sehr gut.“ Und das sei immerhin Voraussetzung, um eine zweite Sprache fließend zu erlernen. Sigrid Buchta sieht viel eher ein Problem bei den deutschen Kindern. „Wir beobachten, dass viele Jungen und Mädchen aus bildungsfernen und spracharmen Familien nicht gut und richtig sprechen.“ Heute würden schon die Vierjährigen stundenlang vor dem Fernseher sitzen, erklärt sie. 


23.05.2012
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