Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mitglieder des Pastoralverbundes Detmold kochen und essen mit Strafgefangenen

Fünf von drinnen, fünf von draußen

Beim gemeinsamen Essen kommen die Ehrenamtlichen aus dem Pastoralverbund und die Strafgefangenen ins Gespräch.

Detmold. Das Projekt „Fünf von drinnen, fünf von draußen“ in Detmold wird vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen unter dem Titel: „Engagement des Monats“ im August als modellhafte Initiative vorgestellt. 

Die Justizvollzugsanstalt Detmold hat eine Abteilung mit 22 Haftplätzen für lebensältere Gefangene (ab 62 Jahren). Ihnen sollen altersspezifische Freizeitmaßnahmen angeboten werden. In Zusammenarbeit mit dem katholischen Seelsorger der Justizvollzugsanstalt, Diakon hb Lothar Dzialdowski, werden Verbindungen zu externen Gruppen und Vereinen geknüpft, gemeinsame Aktivitäten organisiert und Kontakte gepflegt.

Begründet mit der seelsorgerischen Verantwortung für die Strafgefangenen entstand die Idee, unter dem Motto: „Fünf von drinnen, fünf von draußen“ gemeinsames Kochen und Essen von Strafgefangenen und Mitgliedern des Pastoralverbundes Detmold auf der Lebensälterenabteilung der JVA Detmold anzubieten.

Im Rahmen des Projekts lernen die Menschen des Pastoralverbundes die Lebenswelt der Gefangenen und die JVA kennen, und die Gefangenen knüpfen Kontakt nach außen und können dadurch später eventuell Hilfe bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft erlangen. Seit Mai 2008 treffen sich alle zwei Wochen mittwochs zwei bis drei ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und fünf Gefangene, um gemeinsam zu kochen und zu essen.

Männer und Frauen des Pastoralverbundes Detmold wurden vom katholischen Seelsorger der JVA Detmold direkt zur Mitarbeit an dem Projekt angesprochen. Diese Ehrenamtlichen motivierten wiederum Bekannte und Freunde. So hat sich ein Kreis von 13 Männern und Frauen gebildet, die mit den Gefangenen die Kochabende vorbereiten und gestalten. Zusätzlich begleiten viele Menschen das Projekt durch ihre Unterstützung im Hintergrund, durch Sachspenden und Geldspenden.

Begonnen wird jeweils mit einer kurzen Einführungsrunde. Hier stellen sich alle untereinander vor, und es wird miteinander die Zubereitung des Essens besprochen. In einer kleinen Küche, die in einem ehemaligen Haftraum eingebaut ist, wird geschnippelt, geknetet, gerührt, gebacken, gekocht, gebraten und angerichtet. In einem Gemeinschaftsraum des Kellergeschosses wird mit einfachsten Mitteln (Bettlaken als Tischtücher) liebevoll ein Tisch gedeckt. Die Ehrenamtlichen bringen dafür passende Dekorationen mit.

Beginnend mit einer Lesung aus der Hl. Schrift, einem Tischgebet und dem Segen der Tischgemeinschaft wird dann in angenehmer Atmosphäre das Essen genossen. Je öfter sich die Ehrenamtlichen und Gefangenen beim Kochen und Essen begegnen, desto lebendiger entwickelt sich die Unterhaltung bei Tisch und in der Vor- und Nachbereitungszeit des gemeinsamen Abends.

Für den Kauf der Lebensmittel müssen die Gefangenen einen Eigenbeitrag von fünf Euro pro Kochabend zahlen. Für einige ist das viel Geld, wenn man bedenkt, dass manche Insassen einer JVA lediglich 30 Euro im Monat zum Erwerb von zusätzlichen Nahrungs- und Hygieneartikeln haben.

Den größten Anteil der Lebensmittelkosten hat zu Beginn des Projektes die katholische Seelsorge aus ihrem geringen Jahresetat bestritten. Da jedes Jahr etwa 25 Kochabende stattfinden und die Kosten pro Abend rund 50 Euro betragen, müssen weitere Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden.

Eine Würdigung des ehrenamtlichen Engagements erhielten alle Beteiligten 2009 durch die Verleihung des Pauline-von-Mallinckrodt-Preises durch die Caritasstiftung im Erzbistum Paderborn.

Kontakt und Informationen: Diakon hb Lothar Dzialdowski, Tel.: 05231/614185; E‑Mail: lothar.dzialdowski@jva-detmold.nrw.de.


23.05.2012
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