Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mahn- und Gedenkstätte am alten Werler Flugplatz eingeweiht

Gegen das Vergessen

„Danke für dieses wichtige Mal!“ In seiner Rede zur Segnung der Pieta fand Pfarrer Anton Althaus von der St.-Peter-Gemeinde deutliche und bewegende Worte.

Werl. Der heftige Wind und die Kälte hatte die Menschen nicht abschrecken können. Obwohl das Wetter ganz und gar nicht frühlingshaft gestimmt war, versammelte sich eine ansehnliche Zahl von interessierten Werler Bürgern auf dem Gelände des alten Flugplatzes im Industriegebiet. Dort wurde an der Belgischen Straße eine Stele mit einer Pieta als Gedenk- und Mahnmal errichtet.

von Birger Berbüsse

Die Stätte mit der „Schmerzhaften Mutter“ dient zwei Anliegen, betonte einer der Initiatoren des Projektes, Wilhelm Halekotte, bei der Einweihung: Zum einen soll sie an das vor 75 Jahren abgerissene Heiligenhäuschen erinnern, das ganz in der Nähe gestanden hatte. Gleichzeitig soll die Pieta an die Bombardierung Werls im April 1944 erinnern.
Deswegen hätten die Verantwortlichen mit dem Bildnis einer „Schmerzhaften Mutter“ auch die richtige Wahl getroffen, sagte Pfarrer Anton Althaus von der St.-Peter-Gemeinde, bevor er die Stele segnete: „Denn nirgends wird soviel geweint und gebetet wie vor einer Pieta!“ Das wisse er aus Erfahrungen in der Kirche. Deutlich unterstrich Althaus auch die Bedeutung der Gedenkstätte für jetzige und spätere Generationen: „Menschen bleiben nur Menschen, wenn sie nicht vergessen.“ Dies sei ein wichtiges Motto, auch für die Betreiber des Projekts. Und das sei gut so, denn die Schrecken des Zweiten Weltkrieges dürften nicht vergessen werden.
In seiner bewegenden Rede erinnerte der Seelsorger dann auch an die vielen, hauptsächlich jungen, Gefallenen der Stadt: „Schaut man sich die Namen und Zahlen an, packt einen das Grauen!“ Deshalb bete er darum, dass „wir mit dem Leid der Welt niemals fertig werden.“ Dies hätten sich auch die Initiatoren auf die Fahne geschrieben: „Deshalb danke für dieses wichtige Mal“, schloss Althaus seine Rede und segnete im Anschluss die Stele mit der „Schmerzhaften Mutter“.
Zuvor hatte Wilhelm Halekotte in seiner Einführung an die Geschichte erinnert: Vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts sei das „Flerker Hilligenhuisken“ (Heiligenhäuschen) errichtet worden. Beim Werler Flugplatzbau 1934 sei es dann nach über 200 Jahren abgerissen worden. Dem Militärflugplatz verdanke die Stadt „den sorgfältig geplanten und gezielten Bombenangriff am 19. April 1944“. Durch ihn starben 132 Menschen, davon allein in der benachbarten Justizvollzugsanstalt 77. 134 Verletzte seien zu beklagen gewesen. Insgesamt seien 2500 Bomben über der Stadt abgeworfen worden. „Sehr viele Familien haben durch den Flugplatzbau großes Leid erfahren“, betonte Halekotte. Die eingesetzte Pieta sei daher ein treffendes, symbolisches Gedenk- und Mahnzeichen, damit sich solche menschenverachtenden Maßnahmen nicht wiederholten.
Für die „mühe- und liebevolle Renovierung und prächtige Farbfassung“ der Pieta dankte Halekotte Monika Voss-Raker sowie Bernhard Sobbe für die künstlerische Gesamtausführung. Besonderen Dank richtete er noch an das Kolping-Bildungszentrum, das den drei Initiativgruppen – die KAB St. Peter, die Kreuzbruderschaft und der Arbeitskreis Denkmalpflege – das Gelände kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Auch die Fundamentierung hatten die Jugendlichen des Werkes übernommen.


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002