Die Kirche St. Johannes Baptist in Delbrück wurde modernisiert und neugestaltet
Geprägt von der Passion

- Besonderes Gewicht hat in Delbrück die Verehrung des Heiligen Kreuzes. 1496 stiftete Philipp von Hörde den heute noch erhaltenen Corpus, in den er einen Kreuzpartikel und mehrere Reliquien hineingab. Das Gnadenkreuz kommt durch die neue Anordnung der Figuren und das farbige Glas noch besser zur Geltung. Foto: Kroker
Delbrück. In feierlicher Prozession begleiteten die Gläubigen das Allerheiligste jüngst auf seinem Weg zurück in die frisch renovierte Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Delbrück. Gut sieben Monate lang hatten dort zuvor Handwerker und Restauratoren das Wort geführt. Nach der grundlegenden Modernisierung und Neugestaltung wird der Innenraum nun stärker vom Gedanken der Passion geprägt.
von Barbara Kroker
Den künstlerischen Entwurf für die erste große Renovierung seit über 20 Jahren lieferte Thomas Jessen, der auch schon die Aufmachung der Altenheimkapelle im heimischen Clemens-August-von-Galen-Haus bestimmte. Das auffälligste an seinem Entwurf ist gewiss der wolkige, rosafarbene Anstrich bis zur Höhe des Gesimses, der sich wie ein Band um den ganzen Wandsockel legt. So wirkt er einerseits als optische Klammer, die das relativ schmale, romanische Mittelschiff und die vergleichsweise breiten (neu-)gotischen Seitenschiffe enger zueinanderbringt. Auf der anderen Seite verbindet das Farbband auch wesentliche Ausstattungsgegenstände der Wallfahrtskirche.
Die Pieta auf der rechten Seite zum Beispiel ist aus ihrer Nische ein Stück nach vorne auf einen neuen Sockel gerückt und fesselt auch durch die mundgeblasene, dunkelblaue Glasscheibe in ihrem Rücken den Blick der Kirchenbesucher. Ähnlich verhält es sich mit dem Gnadenkreuz zur Linken, das nicht länger wie ein Bild an der Wand hängt, sondern zukünftig mit einem verlängerten Balken frei auf dem Boden steht.
Dahinter lenkt verspiegeltes, strukturiertes Glas in Dunkelrot die Aufmerksamkeit. Auch die Figuren von Maria und Johannes haben einen anderen Standort gemeinsam mit der Gemeinde um den Kreuzaltar gefunden. Zwischen Pieta und Gnadenkreuz schließen sich die Kreuzwegstationen an, die zwar nicht knallig bunt, aber doch deutlich farbiger als bislang gefasst sind. Zudem komplettieren die neu gestalteten Verkleidungen der Emporen mit den aufgemalten Marterwerkzeugen und den Szenen „Jesus begegnet seiner Mutter“ sowie „Simon von Cyrene hilft das Kreuz tragen“ das Bild.
Im Hauptschiff dagegen kommt nach der Innenrenovierung vermehrt die österliche Symbolik zum Tragen. Die Doppelmadonna etwa ist mit großer Kraftanstrengung an historische Stätte im Mittelgewölbe zurückgekehrt. Auch sonst lohnt sich ein Blick unter die Decke, denn neben den aufgefrischten Abbildern von Rosen, Lilien und Dornen haben die Maler im Chorraum ein Bukett von dreiblättrigem Kleeblatt zum Zeichen der Dreifaltigkeit Gottes ergänzt.
Zusätzlich werden die einzelnen Elemente der Architektur wie Rippen und Bögen, Kapitelle und die kleinen Säulen durch die unterschiedliche farbliche Gestaltung stärker betont. An den dicken Säulen ist der deckende, braune Anstrich wässrigen Farben gewichen, sodass ein differenzierterer, lebendigerer Gesamteindruck entsteht.
Den Boden aus Anröchter Sandstein haben die Fachleute außerhalb des Chorraums aus Gründen des Kontrastes bewusst heller geschliffen. Die überarbeiteten Bänke sind mit dem neuen Holzpodest fest verbunden. Ein eigens hierfür angefertigtes Gitter unter dem Turm macht nach Vorgaben des Erzbistums einen beschränkten Zugang möglich. Die neue Beleuchtungsanlage erlaubt je nach Anlass verschiedene Lichtszenarien.






