Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Klosterruine am Jostberg im Teutoburger Wald ist endlich wieder hergerichtet

Geschichtsträchtiger Ort neu belebt

Fragmente der Klosterruine am Jostberg: die denkwürdige Stätte für die Bielefelder Katholiken wurde nun hergerichtet und wird am 13. Dezember an die Stadt Bielefeld weitergegeben. Foto: Walk

Bielefeld (now). „Was lange währt, wird endlich gut“, weiß der Volksmund und auch der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg. Seit fast 100 Jahren setzt sich dieser für die Freilegung und Herrichtung der Klosterrunine am Jostberg im Teutoburger Wald ein. Nun ist es geschafft und die Klos­terruine kann am Sonntag, 13. Dezember, um 14.30 Uhr an die Stadt Bielefeld weitergegeben werden.

Bereits seit 1912 engagiert sich der historische Verein ehrenamtlich für das Bodendenkmal. Dazu hat er es von großen Erdmengen sowie eingefallenen Mauern befreit. Nachdem es gelungen war, in den 1990er-Jahren den Chorraum freizulegen, wurde der gesamte Kirchenraum sichtbar. Die Sorge um den weiteren Zerfall der christlich-bedeutsamen Stätte veranlasste die Stadt Bielefeld daraufhin zum Kauf des Geländes.
Funde, wie gebrannte Fliesen, Säulen und Spuren des Verputzes haben die Archäologen des Westfälischen Museums untersucht. Sie geben Auskunft über den Aufbau der Ruine.
Die Wendeltreppe am westlichen Haupteingang zeigt die damalige mittelalterliche Steinmetzkunst auf. Das Klos­ter besaß separate Eingänge für Mönche und Gläubige, eine Seitenkapelle und einen vieleckigen Chorraum. Über einen Turm verfügte das Kloster nicht. Das ist ein charakteristisches Merkmal von Franziskanerklöstern. Die Klos­terruine ist neun Meter breit und 27 Meter lang.
Die bisherige Arbeit an der Klosterruine wurde hauptsächlich durch Spenden ermöglicht. „Die katholische Heilig-Geist-Gemeinde sorgt bereits seit vielen Jahren für die Pflege der Klosterruine, indem sie das Mauerwerk regelmäßig von Wurzeln und Laub befreit“, berichtet Gemeindepfarrer Dr. Dr. Markus Jacobs.
Die ersten schriftlichen Quellen über den Wallfahrtsort betreffen das 15. Jahrhundert. Sie beschreiben, dass der Ort bereits mit einem Pilgerhäuschen versehen war, das zur Verehrung des heiligen Jodokus diente. Die Stätte wurde 1490 durch eine Kapelle erweitert. Der heilige Jodokus war im siebten Jahrhundert Pilgerpatron aus Frankreich und wird bis heute in ganz Europa verehrt. Mit der Niederlassung der Franziskaner 1498 begann die Blütezeit des Wallfahrtsortes. Sie erbauten das Kloster am Jostberg und bemühten sich um Gottesdienste und Seelsorge.
„Erst der Wunsch der Menschen, die Franziskaner in der Nähe zu haben, führte sie ins Zentrum der Stadt“, erzählt Pfarrer Josef Holtkotte aus der St.-Jodokus-Gemeinde in Bielefeld. „Zudem war die Wasser- und Nahrungsversorgung abseits der Stadt sehr schlecht“, fügt er hinzu. Die Franziskaner siedelten 1507 mit der Erlaubnis des damaligen Papstes Julius II. in die Stadt über. Dort zogen sie in das heutige Kloster St. Jodokus in Bielefeld.
Neben täglichen Besuchen von Christen finden mittlerweile regelmäßig Kreuzwege, Gottesdienste, Karfreitagsprozessionen sowie Wanderungen zur Ruine am Jostberg statt. Rund 100 Menschen nehmen jährlich an der Karfreitagsprozession teil, die von der Heilig-Geist-Gemeinde durchgeführt wird. Sie wandern durch den Teutoburger Wald zur Klosterruine.
„Viele Dornberger Bürger wissen gar nicht, dass an den Hängen des Teutoburger Waldes eine große religiöse und geschichtliche Kostbarkeit verborgen ist“, berichtet Pfarrer Dr. Dr. Jacobs aus der Heilig-Geist-Gemeinde. „Zudem laufen nicht wenige Spaziergänger an dem her­ausragenden Bodendenkmal vorbei, ohne es überhaupt zu entdecken“, fügt er hinzu.
Das soll sich zukünftig ändern. Anhand von Schautafeln sollen Geschichte und Funde der Klosterruine veranschaulicht werden. Zudem soll ebenfalls der Zugang zur Klosterruine erleichtert werden. (siehe Titelseite)


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002