Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Gewalt gegen Rettungskräfte

von Andreas Wiedenhaus

Wer sich für andere Menschen einsetzt, muss damit rechnen, dass sein Tun nicht immer auf ungeteilten Beifall trifft. Diese bittere Erfahrung ist für viele Helfer nicht neu.

Der Trend, den jetzt eine von den Maltesern in Auftrag gegebene Untersuchung der Universität Bochum zu Tage förderte, gibt allerdings zu denken: Rettungskräfte sehen sich bei ihren Einsätzen in zunehmendem Maße Bedrohungen ausgesetzte. Ihre Arbeit wird immer öfter durch aggressive und betrunkene Menschen gefährdet oder unmöglich gemacht.

Früher begnügten sich die Umstehenden damit zu „gaffen“. Schon dies war für Polizei, Feuerwehr und Sanitäter schlimm genug, weil die Arbeit oft erheblich behindert wurde. Wenn Einsatzkräfte sich aber jetzt auch noch selbst verteidigen müssen, ehe oder während sie anderen helfen können, wird es wirklich kritisch.

Auf der anderen Seite beklagen Polizeibeamte schon länger, dass die Hemmschwelle, ungezügelt brutale Gewalt anzuwenden, seit Jahren sinkt. Es wird schneller und härter zugeschlagen. Wen es trifft, ist in den meisten Fällen völlig egal.

Die Malteser jedenfalls tun in dieser Situation das einzig Richtige: Ihre Mitarbeiter werden in speziellen Deeskalationstrainings ausgebildet, damit die Einsatzkräfte „die bedrohte Handlungskontrolle“ wiedererlangen.

Dass dies überhaupt nötig ist, ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Letztlich kommt es aber zuerst einmal darauf an, dass denjenigen, die in Not sind, geholfen werden kann. 


23.05.2012
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