Jugendkirche Manrode bis 5. September geöffnet
„Gib der Kirche (d) ein Gesicht
Borgentreich-Manrode. Diese Kirche besitzt weder Turm noch Glocke. Auch hohe Deckengewölbe sucht der Blick vergeblich. Die neue Kirche in Manrode ist flach, weil eingeschossig. Statt mittelalterlich behauene Steinquader, sind die Kirchenwände rot verklinkert. Der Charme der 80er-Jahre schwebt über der jüngsten Kirche von Manrode. Allein die Fenster sind bunt, von Jugendhand bemalt. Die Jugendkirche Manrode strahlt von innen heraus: Orange, gelb und rot.
Die Manroder Jugendkirche strotzt vor Leben. „Ich komme gern, weil es anders ist“, sagt die 15-jährige Firmanwärterin Svenja Slofato. „Anders“, ist in der Jugendkirche vieles. Die alte Umkleidekabine ist heute Sakristei. Eine Tür weiter liegt das spirituelle Zentrum der Jugendkirche. Hölzerner Parkettboden, verkleidete Heizkörper und mannshoch mit Stoff gepolsterte Wände: Jeder Sportler erkennt die ehemalige Turnhalle. Die Firmlinge aus dem Pastoralverbund Borgentreicher Land haben den größten Raum im ehemaligen Kindergarten von Manrode als Messraum erkoren. In der heutigen Manroder Jugendkirche war bis 1987 die Grundschule und danach der Kindergarten ansässig. Im vergangenen September verließen die letzten Kindergartenkinder das Gebäude. Mangels Kinder wurde der Kindergarten geschlossen. Seit dem 1. Juni füllt die Jugend das Gebäude wieder mit Leben.
„Wir haben ein Haus gesucht, in dem die Jugend ihren Glauben leben und gestalten kann“, erklärt Gemeindereferentin Monika Winzenik. Die 80 Firmlinge im Pastoralverbund Borgentreicher Land haben sich in Workshops an die Verschönerung ihrer Kirche gemacht. Das Motto: „Gib der Kirche (d)ein Gesicht.“ Das ehemalige Büro ist jetzt der „Chill-out-Raum“, ein Gruppenraum wurde zum abgedunkelten Meditationsraum mit Sitzhockern und Kissenstapeln. Auch inhaltlich wurden die Firmlinge kreativ: ein buntes Logo mit helfenden Händen und in der Mitte das Kreuz haben sie entworfen. Ferner das Programm für die Jugendkirche: Public-Viewing zur EM war im Angebot. Notfallseelsorger Alfons Weskamp spricht über Kreuze am Wegesrand. Der Kirchenkuppel-Akrobat Charismo bietet im August einen Workshop an mit dem Ziel, eine Menschenpyramide in Form einer Kirche zu bauen. Und natürlich finden in der ehemaligen Turnhalle Jugend- und Bußgottesdienste statt, am eigens gestalteten Altar und Ambo – beide aus einem dicken Holzstamm gehauen.
Die Jugendkirche soll ein eigener Erfahrungsraum sein. „Oftmals herrscht Sprachlosigkeit über den Glauben“, weiß Gemeindereferentin Winzenik. Durch die Aktionen und Angebote sollen Bindeglieder geschaffen werden. Über Glauben soll nicht nur geredet, sondern er soll auch gelebt werden. Deshalb engagiert sich auch Andre Becker in der Jugendkirche. Der 19-jährige Rösebecker hat bereits bei der lokalen Vorbereitungsgruppe zum Weltjugendtag mitgearbeitet. Das Engagement in der Jugendkirche ist für ihn selbstverständlich, eine logische Konsequenz. „In der Jugendkirche können wir die Ideen vom Weltjugendtag umsetzen und neuen Zugang zum Glauben finden.“
Ist die Jugendkirche wirklich ein ganz neuer Glaubenszugang, oder bereits steinalt? Gemeindereferentin Winzenik setzt an: „Ganz klar haben wir einen ungewöhnlichen Ort gefunden: Erst Volks-, dann Grundschule, zuletzt Kindergarten. Es ist ein säkulares Gebäude, wo wir uns jetzt versammeln. Das sind Anklänge an die Ur-Kirche, als die Menschen sozusagen im ‚Wohnzimmer‘ vor dem Schrein gebetet haben.“ Im Borgentreicher Land sind die Gläubigen, was die Gottesdienstorte angeht, tolerant– haben bereits mittelfristig in einem verwaisten Supermarkt spirituelle Herberge gefunden (der DOM berichtete). Die ehemalige Supermarkt-Kirche in Borgentreich war zunächst die erste Wahl der Firmlinge gewesen. „Aber der Supermarkt war bereits vergriffen“, lacht Winzenik. Mit viel Liebe haben sich die Firmlinge an die Ausgestaltung ihrer heiligen (Turn-)halle gemacht – obwohl ihre Kirche nur temporär ist. „Nach der Firmung am 5. September ist alles vorbei“, sagt die Gemeindereferentin. Wenn sich nicht doch noch Sponsoren oder interessierte Partner finden.
Sandra Wamers







