Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kardinal Marx als Sonderbeauftragter des Papstes zum Patronatsfest Mariä Heimsuchung in Werl

Glaube hat niemals „ausgespielt“

Als Pilger entdeckten die Menschen, was in ihrem Leben wirklich wichtig sei – der Münchner Erzbischof Kardinal Marx nahm als Legat am Patronatsfest in Werl teil. Foto: Wiedenhaus

Werl. Als eine „Quelle der Kraft“ und „geistlichen Trost- und Gnadenort“ hat Reinhard Kardinal Marx die Werler Wallfahrt zur „Trösterin der Betrübten“ bezeichnet. Der Münchner Erzbischof und frühere Paderborner Weihbischof war anlässlich des Jubiläums zum Patronatsfest Mariä Heimsuchung als Päpstlicher Sonderbeauftragter nach Werl gekommen. Vor der Werler Stadthalle feierte er in Konzelebration mit Erzbischof Hans-Josef Becker und zahlreichen weiteren Priestern einen festlichen Gottesdienst.

von Andreas Wiedenhaus

„Die Stimme des Evangeliums ist die wichtigste Botschaft der Befreiung und Aufklärung, die dieser Kontinent je gehört hat!“ Marx fand in seiner Predigt vor über 2 000 Gläubigen ebenso deutliche wie optimistische Worte, um klarzumachen, welcher Stellenwert dem Glauben auch im modernen Leben zukommt.

Angesichts derjenigen, so Marx, die von einem Ende des Christentums in Europa sprächen, sei ein Wallfahrtsort geeignet, zu zeigen, was dem Leben wirklich Sinn gebe: „Hier entdecken wir das, was über unsere eigene Person hinausgeht, ein größeres Leben. Über den Weg des Pilgers kommen wir zum Ziel! Hier in Werl sieht uns Christus – uns ganz persönlich, er schaut uns an!“

Der Auftrag, auf der Suche zu bleiben, so Marx, ergehe immer wieder neu an die Menschen. Deshalb sei es auch grundfalsch, vom Christentum als einer rückwärtsgewandten Religion zu sprechen. Allerdings sehe sich die Kirche derzeit einer „epochalen Herausforderung“ ausgesetzt: „Die Menschen müssen die christliche Botschaft neu lernen!“ Die aktuelle Aufgabe sei es, diesen herausfordernden Wandlungsprozess zu gestalten, damit die Menschen sähen, dass der Glaube unersetzlich sei. Zu Pessimismus sei keine Veranlassung: „Der christliche Glaube hat noch lange nicht ausgespielt, so gesehen steckt das Christentum in Europa noch in den Kinderschuhen!“ Mit Blick auf das Wallfahrtsjubiläum sagte der Münchner Erzbischof: „Die Werler Wallfahrt zeigt uns doch, dass es auch nach 350 Jahren nicht vorbei ist, im Gegenteil – es geht immer wieder neu los!“

Zu Beginn des Pontifikalamtes hatte Erzbischof Becker einen persönlichen Brief des Papstes an ihn verlesen. Darin bat Benedikt XVI. darum, seine Segenswünsche für das Wallfahrtsjubiläum auszurichten. Diese Wallfahrt, so der Papst, sei ein „eindrucksvolles Zeichen der Verehrung und Treue“zur Gottesmutter. Werl sei ein Ort, der Orientierung gebe und auf die wirkliche Hoffnung hinweise. 

Nach dem Gottesdienst zogen die Gläubigen in feierlicher Prozession zur Wallfahrtsbasilia. Dort wurde zum Abschluss der sakramentale Segen erteilt. Bereits am frühen Morgen hatten sich zahlreiche Gläubige an der Stadtprozession beteiligt, die nach ihrem Weg rund um Werl zu Beginn des Gottesdienstes an der Stadthalle eintraf.


23.05.2012
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