Aktuelle Ausgabe
2012-20

Landvolk-Kundgebung zu Libori: Professor Dr. Konrad Schmidt fordert „Produktstolz“ der Christen ein

Glaubensschätze glänzen lassen

Prominenz aus Kirche nd Politik bei der Landvolk-Kundgebung zu Libori: Johannes Potthast, Monika Porrmann, Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Monsignore Professor Dr. Konrad Schmidt, Erzbischof Hans-Josef Becker, Generalvikar Alfons Hardt, Bürgermeister Heinz Paus und Landrat Manfred Müller (v. l.). Foto: Wiedenhaus

Paderborn. Es ging nicht um den ländlichen Raum und die dörfliche Entwicklung, nicht um die Agrarwirtschaft, die „große Politik“ oder europäische Perspektiven – nach mehr als 50 Jahren erlebte die Landvolk-Kundgebung zu Libori eine thematische Premiere, die aus dem Rahmen fiel. Verantwortlich dafür war jemand, der selbst in einer neuen Rolle an der Veranstaltung in der Sporthalle am Paderborner Maspernplatz teilnahm: Professor Dr. Konrad Schmidt, der langjährige Rektor der Landvolkshochschule, tauschte nach seiner Pensionierung vor wenigen Wochen den Platz des Gastgebers mit dem des Gastredners

von Andreas Wiedenhaus 

„Lass den Funken überspringen“, hatte Schmidt seine Rede überschrieben, in deren Mittelpunkt der Appell stand, als Christ selbstbewusst die Gesellschaft mitzugestalten anstatt den Glauben zur Privatsache „pervertieren“ zu lassen. Dabei zeigte Schmidt sich vor den rund 800 Zuhörern einmal mehr als Redner, der es beispielhaft selbst versteht, den Funken überspringen zu lassen und sein Publikum zu fesseln.

Der Ansehensverlust der Kirche in der Gesellschaft habe eine ganze Reihe von Gründen, erklärte Schmidt. Ein ganz gravierender sei dabei innerhalb der Gemeinschaft selbst zu finden: Viele Christen reagierten auf die aktuellen Herausforderungen „mit einer feigen Rückzugsmentalität“, die sich häufig an dem verräterischen Wort „noch“ festmachen ließe: „Mit jedem noch treten wir einen Schritt zurück und stehen zusehens mit dem Rücken an der Wand. Kein Wunder, dass zentrale Lebensfragen nicht mehr an die Kirchen, sondern an Talkshow-Fuzzies gestellt werden!“

Selbstbewusstsein und „Produktstolz“ seien gefragt, so Schmidt, um die „Schätze des Glaubens wieder zum Glänzen zu bringen“. Einer solchen positiven Grundeinstellung stehe allerdings auch ein „übler Zeitgeist“ entgegen; eine Unkultur des Meckerns und madig Machens: Wer kritisiere, gelte als Klüger als derjenige, der das Positive aufgreife, wer verteidige, habe schnell den Ruf, stock-konservativ zu sein: „Positives Denken wird zwar als Kursthema in Bildungshäusern angeboten, steht aber im Widerspruch zu gegenwärtigen Tendenzen.

Ein überspringender Funke, führte Schmidt weiter aus, sei oft untrennbar mit konkreten Personen verbunden. Mutter Teresa, Nelson Mandela, Martin Luther King oder der „Cap Anamur“-Gründer Rupert Neudeck seien Persönlichkeiten, die mit ihrer Ausstrahlung große Bewegungen angestoßen hätten. Allerdings müsse man gar nicht so weit schauen, erklärte Schmidt und führte eine Gruppe, deren Nennung den ein oder anderen seiner Zuhörer verblüfft haben dürfte: Die Gruppe der Großeltern. In ihrer Haltung ihren Enkeln gegenüber drückten sie genau das aus, was heute vielen Menschen fehle: Akzeptanz und Anerkennung, ohne dabei den eigenen Standpunkt zu verstecken. Dabei vermittelten die Großeltern mit ihrer Haltung der Enkelgeneration die Grundhaltung christlichen Lebens. Konrad Schmidt: „Solch eine souveräne Weite ist offensichtlich möglich, wenn jemand Feuer und Flamme ist, getragen wird von einer tiefen Begegnung mit Gott.“

Dass es Konrad Schmidt gelungen sei, mit seinem Beitrag den Funken überspringen zu lassen, bescheinigte Erzbischof Hans-Josef Becker diesem in seinem Grußwort: „Das war wachrüttelnd und motivierend, tiefgreifend und treffend!“ Die Ideen seines Vorredners aufgreifend stellte der Erzbischof fest, dass jammern zwar gesellig mache, Kirche und Gesellschaft aber nicht weiter bringe. Stattdessen sei es an der Zeit, die eigenen Möglichkeiten zu entdecken, um den Funken überspringen zu lassen: „Nicht immer braucht es dabei die ganz großen Ideen, auch ein kleiner und unscheinbarer Funke kann eine große Wirkung entfachen!“ Solche Lichtpunkte könne jeder täglich in seinem Umfeld setzen – am Arbeitsplatz und in der Familie genauso wie in seiner Gemein

 

 


23.05.2012
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