Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Gottes Liebe ist für immer unteilbar

Monika Porrmann ist Dipl.-Theologin und pädagogische Mitarbeiterin der Landvolkshochschule Hardehausen.

Gott schließt niemand von seiner Liebe aus. Seine Barmherzigkeit schenkt er jedem, wenn er zur Umkehr bereit ist. Darin sieht Monika Porrmann die Kernaussage des Evangeliums.

von Monika Porrmann

Das Evangelium vom vierten Fastensonntag ist eine wahrhaft Frohe Botschaft – eine gute Nachricht für uns alle: für Rechtschaffene und Fehlgeleitete, Erfolgreiche wie Gescheiterte. In dieser Geschichte vom „verlorenen Sohn“, die uns seit Kindesbeinen an vertraut ist, erzählt Jesus eindrucksvoll von Gott, der ganz anders ist, als wir uns das mit unseren Maßstäben und unserem Gerechtigkeitsdenken vorstellen können.
Wie so oft greift Jesus zu einem starken Bild. Das Gleichnis spricht viele Facetten menschlichen Handelns und Verhaltens, Enttäuschungen und Sehnsüchte, Irrwege und Neuorientierung an. Es könnte eine vortreffliche Drehbuchvorlage für die vielen Irr- und Umwege auf der Suche nach dem Lebensglück liefern.
Da sind zum einen die Sünder und Zöllner als Paradebeispiele für diejenigen, die vom rechten Weg abweichen. Auf der anderen Seite stehen die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich um Gesetztes­treue bemühen. Die ersten, die sich ihres Fehlverhaltens bewusst sind, hören aufmerksam zu. Die anderen, die glauben, schon alles zu wissen, empören sich. Die einen sind offen für Jesu Botschaft, die anderen „machen dicht“ und haben bereits ihr Urteil über Jesus gefällt.
Jesus greift die Gefühle beider Seiten auf, baut sie in sein Gleichnis ein. Die Sünder finden ihr Pendant im „verlorenen Sohn“, die Rechtschaffenen im älteren Bruder, der seinem Vater zuverlässig dient. Im Folgenden entfaltet Jesus die Vielfalt der Verhaltensweisen, Wünsche und Fehlentwicklungen aller Beteiligten genauso wie die ganz unterschiedlichen Wege, ein neues, gelingendes Verhältnis zum Vater, zu Gott zu finden.
Was den Brüdern passiert, erinnert mich an einen Spruch meiner Großmutter. „Man kann auf verschiedene Weise lernen: durch Nachdenken, das ist das Edelste; durch Nachahmen, das ist das Leichteste und durch Erfahrungen, das ist das Bitterste!“ Genau diesen letzten Weg geht der „verlorene Sohn“.  Getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit geht er seinen eigenen Weg. Erste Erfolge vernebeln ihm die klare Sicht. Er erwacht erst, als er am Boden liegt. Ganz anders sein besonnener Bruder. Er findet sein Lebensglück im geregelten und sicheren Alltag, ohne Risiko, in klarer Entschiedenheit. Ihm bleibt der Absturz erspart.
Jesu Gleichnis belegt sehr deutlich, dass jeder Mensch trotz so unterschiedlicher Lebenswege immer wieder die Möglichkeit hat, sich neu auszurichten. Im Bild des Vaters kommt Gott jedem entgegen. Voraussetzung ist allerdings ehrliche Selbsterkenntnis und die  Bereitschaft, die Irrwege zu verlassen. Denn die Größe eines Menschen und sein Vertrauen in Gott offenbaren sich gerade in der Art, wie er mit seinen Fehlern umgeht!
Jesus spielt im Gleichnis nicht ein bestimmtes Verhalten gegen ein anderes aus. Er ist für alle gekommen; für diejenigen, die den geraden Weg gehen können, aber auch für jene, die auf falsche Wege geraten sind. Letztlich zählt bei ihm, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen; daran zu glauben, dass Gott uns immer schon sucht und uns entgegenkommt, sich über unsere Schwachheit erbarmt.
Das ist die gute Nachricht des vierten Fastensonntags. Wir sollen und dürfen aus ihr leben! Als Jesus dieses Gleichnis erzählte, waren alle Sünder und Zöllner „ganz Ohr“. Worauf hören wir heute?


23.05.2012
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