Aktuelle Ausgabe
2012-20

3. landpastorales Symposium in der Landvolkshochschule Hardehausen

Grundsatzfrage für die Gemeinden

Suchten die Räume Gottes unter den Menschen: (v. l.) Referent Dr. Franz Schregle, Organisator Andreas Heger, Rektor Msgr. Konrad Schmidt von der Landvolkshochschule, Diözesanjugendseelsorger der Landjugend Daniel Robbert, Bischof Franz-Josef Bode, Prof. Dr. Hanneliese Steichele, die Beauftragte für lokale Gemeinschaften Gisèle Bulteau, Stephan Kreye und Dr. Hadwig Müller von missio. Foto: Wamers

Hardehausen. Es ging um Grundsatzfragen für die Zukunft der Gemeinden: „Decken sich die Räume Gottes mit den Menschen“, das war die zentrale Frage auf dem 3. landpastoralen Symposium in der Landvolkshochschule Hardehausen. Theologisch ist die Antwort der Raumfrage klar: „Jeder Mensch ist ein Raum Gottes“, sagte Gisèle Bulteau aus dem französischen Poitiers. Aber wie können sich Menschen zu großen „Wohngemeinschaften Gottes“, den Gemeinden, zusammen finden?

von Sandra Wamers

Die Frage nach einer lebendigen Kirche auf dem Lande versuchten rund 70 Diskussionsteilnehmer aus ganz Deutschland zu beantworten. „Die Zeichen der Zeit werden erforscht, dabei wurde der Raum vergessen“, sagte Moderator Andreas Heger zu Beginn der Podiumsdiskussion. Es gehe um die Lebensräume der Menschen, in denen Glaube und Gemeinde Eingang finden. Diese Beziehungsräume, die aus Interesse füreinander entstanden sind, könnten neue Glaubensräume werden. Das an Territorien und feste Strukturen geknüpfte Gemeindeverständnis sei veraltet, denn „territorial gedacht, sterben die Gemeinden aus“, sagte Dr. Franz Schregle, Referent für Gemeindeentwicklung aus Memmingen.
Ein Beispiel für Gemeindeleben, das über Beziehungsräume funktioniert, brachte der Osnabrücker Bischof Dr. Franz-Josef Bode ein. „In der Diaspora, wie etwa den ostfriesischen Inselkirchen, müssen die Katholiken weit fahren, um eine Kirche zu betreten“, sagte Bischof Bode, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Es gehe darum den Menschen in seiner Lebenssituation wahrzunehmen: „Es geht um eine missionarische Kirche, die Gott und den Menschen nahe ist“, betonte Bode.
Ein solcher Ansatz wird auch in der französischen Ostkirche verfolgt. Aus Poitiers reiste Gisèle Bulteau an. Sie ist Beauftragte der „lokalen Gemeinschaften“ und hat 15 Jahre lang Erfahrungen im Gemeindeleben der ländlichen, französischen Ostkirche gesammelt. Seit Jahren werden im Bistum Poitiers sogenannte „lokale Gemeinschaften“ („communautés locales“) errichtet. Mit deren Leitung werden Laienteams beauftragt. In den „lokalen Gemeinschaften“ leisten Priester ihren Dienst an den Gemeinden vor Ort, ohne ihnen aber vorzustehen oder in ihnen auch nur ständig präsent zu sein. Sie werden zu so etwas wie „geistlichen Begleiter“ der Gemeinschaften. Auch ohne einen ständig anwesenden Priester sind diese „lokalen Gemeinschaften“ die unterste beziehungsweise die Grundeinheit der Diözesanstruktur. „In den, lokalen Gemeinschaften gibt es keine vordefinierten Netze“, sagte Bulteau.
Das französische Rezept zu einem lebendigen Gemeindeleben sei: „Den Geschmack der Menschen an Kontaktaufnahme zu wecken.
Die Glaubensräume sind vielgestaltig. So wurde festgestellt, dass gerade junge Menschen die virtuellen Räume des Internets immer öfter für sich entdecken. „Warum die Jugend nicht dort abholen, um sie in die Gemeinde vor Ort zu holen“, fragte eine Seminaristin. Ein Einspruch, den auch die Aachener Referentin Dr. Hadwig Müller am Missionswissenschaftlichen Institut „missio“ für richtig hielt: „Im Internet findet eine Entortung der Räume statt. Jetzt geht es darum Ort und Raum wieder zusammen zu bringen.“
Vor dem Computerzugang ins Weltweite Netz sitzt der Gläubige allein, wie auch das sogenannte Kirchturmdenken enge Grenzen hat. „Die Individualisierung der Gemeinde ist ganz schlimm“, betonte Prof. Dr. Hanneliese Steichele für Biblische und Historische Theologie der Fachhochschule Mainz. Die Dozentin will, den „missionarischen Auftrag der Kirche wieder auf die Welt hin öffnen“. 


23.05.2012
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