Kommentar
Helfer unter Zugzwang
von Andreas Wiedenhaus
Das Erdbeben, das Haiti in eine Trümmerwüste verwandelt hat, liegt ein Jahr zurück. In vielen Gegenden der Insel sieht es aber immer noch so aus, als hätten sich die Staubwolken gerade erst von den Schuttbergen verzogen. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude stagniert, eine Million Menschen leben in Zelten.
Die Kritik am schleppenden Fortgang der Hilfsmaßnahmen wird immer lauter. Der US-Schauspieler Sean Penn, der mit einer von ihm gegründeten Hilfsorganisation auf der Insel aktiv ist, zog in einem Interview eine vernichtende Bilanz: Zum einen hielten viele Staaten, darunter auch die Bundesrepublik, versprochene Hilfsgelder zurück, zum anderen handelten auch viele Helfer falsch. Sie verteilten lieber Almosen als den Wiederaufbau zu fördern. Dass auf Haiti immer noch vieles im Argen liegt, hat auch Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka zugegeben. Er verweist aber gleichzeitig auf vieles, was bisher erreicht worden ist. Diese kleinen Schritte blieben aber häufig unsichtbar.
Ganz gleich, welche Bilanz man zieht – eines ist ganz deutlich: Wenn die Haiti-Hilfe nicht in einer Katastrophe enden soll, müssen dringend Fortschritte erzielt werden. In erster Linie im Interesse derjenigen, die immer noch in Zeltstädten unter katastrophalen Bedingungen leben müssen. Zum anderen aber auch im Interesse der Hilfsorganisationen selbst. Denn sonst könnte sich aus solch einem Fehlschlag auch ein Desaster für sie entwickeln. Ein Scheitern wäre Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die bereits jetzt argumentieren, dass Spenden und Hilfsgelder ja doch nicht ankommen und in dunklen Kanälen versickern.






