Aktuelle Ausgabe
2012-20

Briloner „Freunde der Indios von Peru“ haben in zehn Jahren mit rund 700 000 Euro geholfen

Hilfe für die Ärmsten der Armen

Ein einachsiges Zuggerät spendeten die Briloner den „Schwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland“ in Peru – allerdings hauptsächlich zum Urbarmachen des Geländes ihrer Missionsstation.

Brilon. „Wir sind dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt Hans Witteler. Vor elf Jahren erreichte ihn über Umwege ein Hilferuf eines Bischofs aus dem fernen Peru. Die verarmte Gemeinde Mazamari im abgelegenen Urwald brauchte ein Transportmittel, um Feldfrüchte selbst zu den Märkten transportieren und ihre Einnahmen dadurch verbessern zu können. Witteler, Chef der Briloner Mercedes-Niederlassung, wünschte sich kurzerhand zu seinem 65. Geburtstag eine Spende für einen Unimog. Ein Freund tat es ihm gleich und schon waren 10 000 Mark zusammen. Bald konnte der Unimog auf den Weg gebracht werden.

von Markus Jonas

Seitdem hat der kurz darauf gegründete Verein der „Freunde der Indios von Peru“ viele Projekte unterstützt. Insgesamt 700 000 Euro flossen nach Peru. 200 Spender und zahlreiche Firmen der Region tragen zu der gezielten Hilfe bei. Etwa in Mazamari, wo der spanische Franziskaner Padre Joaquin Ferrer – „ein Genie, ein Arbeitspferd“, lobt Witteler – für die Menschen viel auf die Beine stellt. Eine Schule für 600 Kinder hat er gegründet, sorgt so für Bildung, Ernährung, Gesundheitsvorsorge und sogar für Straßen und Brücken. Dabei unterstützen ihn die Briloner. Selbst eine Wasserkraftanlage zur Produktion von Strom haben sie geschickt und installiert. Die Krankenstation haben die Briloner mit Ausrüstung versehen, unterstützen dort eine Arztstelle mit 600 US-Dollar im Monat. Mit der gleichen Summe helfen sie einer Armenküche in der Hauptstadt Lima, die täglich mehr als 200 Menschen versorgt.
Über die kfd in Winterberg-Siedlinghausen kamen die Briloner Indiofreunde in Kontakt mit den „Missionsschwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland“ in Caraveli, einer Gründung einer Schwester aus Hiltrup. Die Schwestern leisten elementarste Entwicklungshilfe in isolierten Dörfern, die bis zu 4000 Meter hoch in den Anden liegen. In diesen Orten bilden sie Menschen als Katecheten und gleichzeitig als Krankenpfleger aus. So stärken sie die Gemeinschaftsstruktur und verhindern, dass die Menschen in Städte und damit in Slums abwandern. Aus Brilon erhalten die Schwestern vielerlei Hilfen, etwa einen Einachs-Schlepper zum Anlegen von Feldern, Nähmaschinen zur Gründung einer kleinen Textilfirma oder auch Schreibmaschinen. Die brauchen die Schwestern, um die nötigen Briefe an Behörden zu schreiben, dass die Indios überhaupt Geburtsurkunden und Ausweise erhalten.
Jüngst gingen wieder zwei Unimogs nach Peru, diesmal an das kürzlich von den Deutschen Martina und Dr. Klaus John gegründete Krankenhaus „Diospi Suyana“. Ein Enkel Hans Wittelers, Eike Rubach, überbrachte die Fahrzeuge für den Krankentransport und schulte die Mitarbeiter für Reparaturen. Noch während einer Übungsfahrt wurde es ernst: Der erste Kranke musste transportiert werden. Rubach war übrigens der erste, der seinen Zivildienst bei den Franziskanern in Mazamari ableisten durfte. Mit Hilfe des Erzbischöflichen Generalvikariats wurde diese Stelle „nach langem Kampf“ eingerichtet, wie Hans Witteler sich erinnert. Wer ab nächsten Oktober die Stelle möchte, sollte sich bis Januar in Brilon melden.


23.05.2012
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