Die Predigt von Erzbischof Becker im Pontifikalamt zum Jahresschluss
Hoffnung neu buchstabieren

- „Es geht darum, dass wir unsere mitmenschlichen Beziehungen nicht einfach an der Leistung und an der Brauchbarkeit des anderen messen.“ In seiner Silvesterpredigt forderte Erzbischof Becker die Menschen dazu auf, bedingungslos zueinander zu stehen.
Erzbistum (-haus). Das Werler Gnadenbild der Gottesmutter mit ihrem Kind hat Erzbischof Hans-Josef Becker in den Mittelpunkt seiner Predigt während des Pontifikalamtes zum Jahresabschluss im Hohen Dom gestellt: „Die Mutter Jesu könnte uns helfen, das Wort Hoffnung auch für unser eigenes Leben wieder neu buchstabieren zu lernen“, so der Erzbischof wörtlich. In diesem Jahr feiert das Erzbistum das Jubiläum der 350. Wallfahrt nach Werl.
Das Bild der Gottesmutter, die sich, so der Erzbischof, bemüht habe, „hinter dem bloß Augenscheinlichen ihrer kleinen Umwelt und ihrer kleinen Geschichte das Wirken Gottes zu ersehen, ohne es durchschauen zu können“, sei dazu angetan, auch in uns die Hoffnung zu nähren: „Dass immer wieder neu Leben auf uns zukommt und dass Chancen des Lebens für uns auch in den Unscheinbarkeiten des nächsten Jahres liegen, in kleinen Begegnungen und neuen Ideen, in unverhofften Alltäglichkeiten, ja selbst im Schweren, das uns treffen mag: Zusage von Leben an den, der sich einlässt auf das, was dieses Jahr von Gott her bringen wird.“
Maria habe an das Leben geglaubt, das von Gott komme und habe deshalb mit mütterlicher Zuwendung reagiert. Und gerade dies erkäre auch die Hochschätzung der Mutter des Herrn durch die Kirche in den vergangenen Jahrhunderten: Die Menschen hätten erkannt, dass sie zu Maria mit allem wie zu einer Mutter kommen könnten. Gerade heute, so Becker, komme es darauf an, dass auch unsere Zeit und unsere Erde solche mütterlichen Züge bekomme: „Darin läge doch ein Heilmittel gegen die Eisberge kalter Berechnung, die uns zu erdrücken drohen – gerade im politischen Leben! Darin läge doch ein Heilmittel gegen die egoistische Hinterhältigkeit, die uns stetig voneinander isoliert. Darin läge doch ein Heilmittel gegen den selbst auferlegten Leistungs- und Perfektionszwang unserer Tage, der die Menschen, ob kurz oder lang, im Nu ins Aus treibt.“
Wer sein Leben im kommenden Jahr unter das Zeichen der Gottesmutter stelle und anfinge zu glauben und in die Tat umzusetzen, was es besage, der dürfe optimistisch in die Zukunft schauen. Und letztlich lehre doch die Erfahrung, dass selbst Leid, im Horizont der Nähe Gottes besehen und durchlitten, zum Segen werden könne.
Erzbischof Becker: „Auch die unscheinbarste Lebensgeschichte kennt Zeiten und Gelegenheiten, wo sich sensible Sympathie mit den anderen und liebende Zuwendung für einen Menschen konkret als stärker erwiesen haben als ein kluger und vorsichtiger, als ein kalkulierender und risikoloser Umgang mit dem Nächsten.“
Der Erzbischof beendete die Predigt mit dem Appell, nicht das voreilig wegzuwerfen, „was uns von unseren Vorfahren als hilfreich und wertvoll anvertraut worden ist“. Der Erzbischof wörtlich: „Das neue Jahr lädt uns ein, gleich mit dem ersten Tag, dem Hochfest der Gottesmutter Maria, in diese Spur zu treten beziehungsweise in ihr zu bleiben. Dann dürfen wir ein gottgewolltes glückseliges Jahr aus seinen Händen annehmen!






