Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Im Einklang mit Gott – unter seinem Namen

Diakon Klaus Krüger ist Polizeiseelsorger und Mitarbeiter am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn.

Christen verstehen sich als ein „Wir mit Gott“ und setzen sich ein für ein gutes menschliches Miteinander. 

von Klaus Krüger 

Mein Telefon klingelt und am anderen Ende meldet sich jemand mit: „Hallo, ich bin’s“. Ich aber habe keine Ahnung, wer „Ich“ ist. Da ich sicher nicht mit Gott telefoniere, helfen mir jetzt ein Name und ein dazu passendes Gesicht weiter. Würde aber tatsächlich Gott anrufen, hätte ich ein Problem. Sein Name ist Jahwe, auf Deutsch: „Ich bin es“ und ein passendes Gesicht fehlt mir auch. Wer ist es, der mich anruft?

Die Zehn Gebote lehren, dass wir uns kein Bild von Gott machen sollen. Das ist kein Kameraverbot für Paparazzi, sondern der Hinweis, dass der menschliche Verstand nicht der passende Rahmen für ein Bild von Gott ist. Da er sich nicht „kleinzoomen“ lässt, wäre ein Bild von ihm auch nutzlos. Gott passt weder in den Rahmen unseres Verstandes noch in unseren Wortschatz, der nicht einmal seinen Namen klären kann. Wer heißt schon „ich bin’s“?

Wie Adam und Eva im Paradies neigen wir dazu, uns gesetzte Grenzen und Rahmen sprengen zu wollen. Das führt zu Gottesbildern, die viel zu eng sind und zu einem „gotteswortwörtlichen“ Bibelverständnis, das aus Heiligen Schriften „Kreuz-Worträtsel“ macht. Der Weg Adams führte nicht nur aus dem Paradies, sondern auch in den Kampf um Gottesbilder. Auf ihm liegen Religionskriege, Kirchenspaltungen, Konfessionsrassismus und er macht „Gläubige“ zu Tätern und Opfern von Gewalt und Terror. 

In eine ganz andere Richtung weist das Evangelium, das Wege des Miteinanders aufzeigt. Es geht um ein Wir, in das sich Gott selbst einbezieht. Ein Wir mit Gott sind die zwei oder drei, die in seinem Namen versammelt sind. Der griechische Originaltext spricht von in Einklang mit Gott sein (symphonäsosin / gemeinsam klingen).

Der Text beginnt wie eine Dienstanweisung für ein gestaffeltes Strafverfahren: „Wenn dein Bruder sündigt, dann...“. Am Ende steht bezeichnenderweise kein Urteil, sondern eine Konsequenz: „...dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.“ Heiden, Menschen die außerhalb der Heilsgemeinschaft mit Gott für Unheil sorgen – oder Zöllner, ein sehr unzeitgemäßes Synonym für Betrüger, sind mit dem Wir mit Gott nicht in Einklang zu bringen. Deshalb ist ein Unheilstifter oder Betrüger zwar nicht von Gott verlassen, aber nach eigenem Willen ein Ich ohne Gott.

Das Evangelium meint das Wir mit Gott ohne Bild, damit Gott den Ton vorgeben kann, der Einklang möglich macht. Wer im Einklang mit ihm ist und es mit einem „Sünder“ zu tun bekommt, dem geht es um Harmonie und Versöhnung und nicht darum, Recht zu bekommen. Das verweist grundsätzlich auf die Frage, wie wir miteinander umgehen. In einer Gesellschaft, in der die Individualisierung zunimmt, wird es mit dem „Einklang“ schwierig. Ein Anspruchsdenken, das Solidarität den eigenen Interessen unterordnet, fordert Rechte ein. Es macht aus einem Wir mit Gott ein Ich und die anderen. Gott aber lässt sich nicht unterordnen. Er selbst ordnet ein, nicht unter, denn vor ihm sind grundsätzlich alle Menschen gleich.

Wir sehnen uns nach Miteinander und Liebe, oft aber geht der „Spaß“ auf Kosten anderer, wird der Beruf zur Karriere und Beziehungen müssen Ansprüche erfüllen. Andere werden als „uncool“ ausgegrenzt; Beziehungen zerbrechen, und vor Gericht werden aus Mitmenschen Gegner. Da scheitert das Miteinander oder es wird gar nicht erst versucht. Gehe ich aber den Weg mit Gott und bekomme es mit einem „Sünder“ zu tun, werde ich eingestehen: Ich bin ohne Zweifel selbst ein Sünder.  „Versammeln“ wir uns unter seinem Namen, dann dürfen wir ihn Vater nennen und geben dem Miteinander eine Chance!

 

 


23.05.2012
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