Aktuelle Ausgabe
2012-20

Prof. Dr. Reiner Sörries eröffnete Ausstellung „Ruhe sanft“

Im Internet kann man nicht sterben

Prof. Dr. Reiner Sörries gab auch denen, die selbst Gruppen führen wollten, eine Einführung in die Ausstellung.

Bestwig. „Der Umbruch der Bestattungskultur ist ein globales Phänomen. Ein Phänomen, das auch im Sauerland längst angekommen ist“, erläuterte Professor Reiner Sörries zur Eröffnung der Ausstellung „Ruhe sanft“ in der St.-Andreas-Kirche in Bestwig-Velmede. Die Ausstellung ist Teil einer Projektreihe des Pastoralverbundes Ruhr-Valmetal zum Thema Tod und Bestattungskultur. 

Sörries blickte bis ins Mittelalter zurück und dann in die Zukunft: „Unsere Friedhöfe werden bald viel zu groß sein. Mittlerweile beträgt der Anteil der Feuerbestattungen schon 50 Prozent. Und doch nimmt gerade in der immer säkularer werdenden Gesellschaft das Bestreben zu, der Nachwelt etwas von sich zu erhalten, ja sogar unsterblich zu werden.“

Im Internet sei die Unsterblichkeit am preiswertesten zu haben: „Es ist sozusagen nicht möglich, seine Existenz aus einer Plattform wie Facebook zu löschen. Mittlerweile gibt es dort schon Seiten, die so programmiert sind, dass selbst Tote weiter mit Lebenden kommunizieren.“ Auch die ersten virtuellen Friedhöfe seien schon angelegt. „Und davon wird es bald immer mehr geben“, erklärt der Geschäftsführer des Museums für Sepulkralkultur, von dem die Ausstellung in der St.-Andreas-Kirche stammt.

Bei allen Bestattungsformen stelle sich letztlich die Frage, welche Form des Abschieds und des Erinnerns für den jeweils Verstorbenen die richtige ist. „Es gibt Menschen, die glauben, die Ausstreuung der Asche über dem Meer oder aus einem Ballon sei im Sinne des Toten. Und hinterher stellen die Familien fest, dass ihnen doch ein Grab als Ort der Trauer fehlt.“

Mit dem Aufkommen der Hospizbewegung in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts habe es neue Herangehensweisen an das Thema Sterben und Abschied nehmen gegeben. „Daraus resultiert letztlich auch die heutige Vielfalt der Bestattungsformen“, so Sörries. Manche fühlten sich der Natur verbunden und wollten die Erinnerung an sich durch einen Baum im Friedwald erhalten. Andere suchten ihre letzte Ruhe in einem Gemeinschaftsgrab, wo man sich in einer Gruppe für die Nachwelt definiert. Wieder andere bauten sich ein Mausoleum oder ließen sich aus ihrem Liebsten in einem hochkomplizierten Verfahren einen Diamanten pressen. „Und es gibt die, die sich einfrieren lassen – in der Hoffnung, sie könnten irgendwann weiterleben.“

Dabei hänge die Wahl immer stärker auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Längst sei die Bestattungskultur zu einem Markt mit zwei Kategorien geworden: Hochwertig und billig.


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002