Dechant Benedikt Fischer über die theologische Dimension der Ehevorbereitung
Im Sakrament der Ehe wird die göttliche Dimension der Liebe gefeiert
Im Katholischen Glauben gilt die Ehe als Sakrament. Dechant Benedikt Fischer aus Paderborn beschreibt in seinem Gastartikel zum Thema Ehevorbereitung die theologischen Grundlagen und bezieht sich dabei gleichzeitig auf seine Erfahrungen in der Ehevorbereitung. Er begleitet seit rund 20 Jahren immer wieder Ehevorbereitungskurse.
von Benedikt Fischer
„Warum möchten wir eigentlich zweimal heiraten: auf dem Standesamt und in der Kirche?“ Diese etwas ungewohnt klingende Frage stellen sich junge Leute, die miteinander kirchlich die Ehe schließen wollen, in den Ehevorbereitungskursen des Erzbistums Paderborn. Dabei zeigt sich, dass die Eheleute untereinander dieser Frage oft noch gar nicht ernsthaft nachgegangen sind.
Manchmal spielt noch die Tradition eine Rolle, die eine tiefere Beschäftigung mit der Frage nach der kirchlichen Eheschließung im Vorfeld gar nicht „nötig“ machte. Manchmal hat diese Entscheidung die Braut gefällt, und der Bräutigam hat einfach „nichts dagegen“. Manchmal hatten die jungen Leute zu wenig Zeit, sich über diese Frage inhaltlich miteinander zu unterhalten, weil der Beruf und viele Betätigungen in der Freizeit sie nicht zu diesen Gesprächen haben kommen lassen.
Immer wieder gibt es deshalb am Ende der Ehevorbereitungskurse die Rückmeldung: „Wir sind zwar nicht gerne gekommen, weil uns das Wochenende dafür eigentlich zu schade war, aber jetzt sind wir froh, dass wir miteinander Zeit hatten, über Inhalte der kirchlichen Ehe und über Partnerschaft zu sprechen. Können Sie einen ähnlichen Kurs nicht noch einmal anbieten?“
Wenn Paare sich entscheiden, miteinander dauerhaft eine Lebensgemeinschaft einzugehen, dann steht für christliche Paare nicht nur die Frage nach der standesamtlichen Hochzeit an. In der katholischen Kirche feiern junge Menschen ihre Liebe in einem sakramentalen Geschehen. Sie feiern ihre Entscheidung füreinander, die ja ein Leben lang Gültigkeit hat.
Es ist zur Gewissheit geworden, was vor Monaten oder Jahren zaghaft begonnen hat: die gemeinsame Partnerschaft. „Ja, mit meinem Partner, mit meiner Partnerin will ich mein ganzes Leben zusammen sein.“ In dieser großartigen Erkenntnis liegt für manche junge Leute auch eine noch tiefere Bewusst-werdung. Sie spüren, dass ihre Liebe unbeschreiblich ist, dass sie nicht machbar ist und eigentlich unerklärlich („Warum liebe ich genau diesen Menschen und nicht einen anderen?“), sie erfahren darin eine Weite und Freiheit, die einfach geschenkt und nicht verdient ist. Sie spüren: In ihrer Liebe liegt eine göttliche Dimension.
Das, was Menschen seit Jahrhunderten wahrgenommen haben, bringt die Theologie in „sakramentaler Sprache“ zum Ausdruck: die Liebe weist als unsichtbare Verbindung der Menschen untereinander auch auf den unsichtbaren Gott hin, der sich uns Menschen immer liebend vermitteln will. So ist die Ehe ein Abbild der Liebe Gottes zu uns Menschen.
Diese „gespürte“ Erkenntnis will wach gerufen und ins Wort gebracht werden, damit sie angemessen im Sakrament gefeiert werden kann. Die Ehevorbereitungskurse bieten für diese wichtige Vorbereitung eine Gelegenheit, die deshalb besonders intensiv ist, da hier mehrere Paare zusammenkommen, die kirchlich heiraten wollen. Mit unterschiedlichen Methoden und vielen Gesprächseinheiten in Kleingruppen werden Fragen der Partnerschaft besprochen, bei denen die jungen Leute feststellen, wie wichtig und interessant es ist, sich mit diesen Themen auch mit anderen auseinander zu setzen.
Das Thema „Sakramentalität der Ehe“ nimmt immer einen großen Raum ein, ist es doch nach vielen Jahren oft die erste Gelegenheit, darüber nachzudenken, was denn ein Sakrament eigentlich bedeutet.
Die Inhalte des sogenannten Ehevorbereitungsprotokolls, das der zuständige Seelsorger in der jeweiligen Wohnortpfarrei mit dem Brautpaar aufnimmt, sind ebenso ein wichtiger Bestandteil der Kurse. Damit sind gute Grundlagen gelegt für das Gespräch mit dem Pfarrer zu Hause, der ja mit dem Paar die Feier der Eheschließung konkret bespricht.
Da die Ehevorbereitungskurse von erfahrenen Ehepaaren und pastoralen Mitarbeitern (Priester, Diakon oder Gemeindereferent) geleitet werden, gibt es viel Raum für persönliche Erfahrungen, die für alle wertvoll sind.
Seit fast 20 Jahren begleite ich gelegentlich Ehevorbereitungskurse. Die Fragen der jungen Leute haben sich in dieser Zeit kaum geändert. Geändert hat sich auch nicht die Dynamik, die sich in diesen Kursen entwickelt. Sie führt stets zur Erkenntnis, wie wichtig und wohltuend ein Raum sein kann, der anfanghaft erschließen möchte, was endlich im Sakrament gefeiert wird: die göttliche Dimension der Liebe.







