Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Rolle und die Aufgaben der katholischen Kirche in der aktuellen Klima-Diskussion

„Im Vertrauen auf Gott die notwendigen Schritte zur Umkehr tun“

Weihbischof Dr. Bernd Uhl wurde 1946 in Karlsruhe geboren. Die Priesterweihe empfing er 1974, die Bischofsweihe in Freiburg 2001. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Als weltumspannender Organisation kommt der katholischen Kirche beim Klimaschutz eine zentrale Rolle zu, schreibt Weihbischof Dr. Bernd Uhl aus Freiburg in seinem Gastartikel. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Deutschen Bischofskonferenz nennt darin die Aufgaben, die kaum noch einen Aufschub dulden.

von Dr. Bernd Uhl

Der Klimawandel ist ein „Zeichen der Zeit“, von dem die Katholische Kirche als globale Organisation betroffen ist. Er ist eine aktuelle und dringende Frage, zu der das Lehramt Stellung beziehen muss. In den vielen Rundschreiben und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. tauchen erstmals die Themen Umwelt, Ökologie, Gentechnologie, Umweltverschmutzung, Biodiversität, Schutz der Wälder, Atmosphäre und Biosphäre, Giftmüll, Energieverbrauch, Biotechnologie und andere Umweltthemen auf. Im Januar 1987 formulierte der Papst in einer Ansprache an eine Studiengruppe der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften den Kernsatz: „Das Klima ist ein Gut, das geschützt werden muss.“ Papst Benedikt XVI. forderte in Loreto am 2. September 2007 vor 500000 Jugendlichen eine neue Allianz zwischen dem Menschen und der Erde.
Die kirchliche Lehre über den Klimaschutz speist sich aus zwei Quellen: Sie argumentiert mit biblischen Erkenntnissen und sozialphilosophischen Prinzipien. Die wichtigsten Argumentationslinien beim Umwelt- und Klimaschutz sind: Die Schöpfung ist gut, weil sie von Gott geschaffen ist. Der Mensch hat die Verantwortung, sie zu erhalten. Es gibt einen Missbrauch der natürlichen Güter durch den Menschen. Natürliche Güter wie Wasser, Luft und Boden stehen grundsätzlich allen Menschen zu; sie sind aber nicht gerecht verteilt. Die Weltgemeinschaft, die einzelnen Staaten und jeder Einzelne haben die Pflicht, die Umwelt zu bewahren.
Nach der biblischen Lehre über die Erschaffung der Welt (Gen 1 und 2) ist die Erde ein Geschenk Gottes an den Menschen, der selbst nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Er ist mit der Natur verwoben; er steht aber auch der Schöpfung gegenüber, um sie zu gestalten und zu gebrauchen. Er hat die Freiheit und die Verantwortung, mit den Gaben der Schöpfung klug und gerecht umzugehen. Dabei soll er sich immer daran erinnern, dass alle Dinge ihm ursprünglich von Gott geschenkt sind. Die Größe des Menschen besteht darin, ein guter Verwalter der natürlichen Güter dieser Erde zu sein. Dazu gehört auch das Klima, das vor allem durch den Ausstoß von Treibhausgasen beschädigt wird.
Die Kirche versteht sich als Anwalt der Gerechtigkeit. Sie setzt sich in besonderer Wei­­se – genauso wie Jesus Christus – für die Armen ein. Der vom Menschen verursachte Klimawandel trifft nun besonders die Ärmsten. Die Lasten des Klimawandels sind ungleich verteilt. Insbesondere die armen Länder des Südens, die nur zu einem geringeren Teil die Klimaveränderung verursachen, haben Schwierigkeiten, sich den Veränderungen anzupassen. Die Industriestaaten dagegen, die hauptsächlich für den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich sind, können sich viel besser gegen dessen Folgen schützen. Je ärmer und schwächer die Menschen sind, um so geringer sind ihre Mittel, den Folgen des Klimawandels auszuweichen, sich anzupassen oder entstandene Schäden zu beheben. Dies trifft auch für ganze Weltregionen zu. Angesichts dieser Ungerechtigkeit muss die Kirche ihre Stimme erheben.
Die Fakten der bedrohlichen Klimaentwicklung liegen auf dem Tisch. Die Kirche als globale Organisation hat in ihrem prophetischen Amt die Pflicht, ihre Gläubigen und die Menschheit auf die bedrohlichen Szenarien der Zukunft aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, im Vertrauen auf Gott die notwendigen Schritte zur Umkehr zu tun. Sie hat in vielen Ländern der Erde eine starke Stellung als moralische Institution, die hohes öffentliches Vertrauen genießt. Durch Predigt und Katechese erreicht sie täglich in Kirchen, Universitäten, Schulen, Kindergärten, Jugendgruppen und Medien Millionen Menschen. Die Kirche muss ihre Rolle als „global player“ beim Klimaschutz stärken und weiterentwickeln. Sie selbst wird gewichtige Beiträge zum Klimaschutz in jenen Ländern leisten, wo sie selbst viele Gebäude, Wälder, Grundstücke und Fahrzeuge besitzt. Sie wird ihr Geld bei Unternehmen investieren, die selbst glaubwürdig am Klimaschutz arbeiten. Wer Klimaschutz einfordert, muss ihn selbst praktizieren.


24.05.2012
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