Aktuelle Ausgabe
2012-20

Caritas startet mit 350 Plätzen in den Bundesfreiwilligendienst / Bisher rund 1 100 Zivildienstleistende

In Zukunft „Klasse statt Masse“

Mit dem neuen Freiwilligendienst befasste sich eine Fachtagung der Caritas in Paderborn (v. r.): Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, Josef Krautkrämer, Referent im Diözesan-Caritasverband, Staatssekretär Josef Hecken, Norbert Altmann, Leiter der Zentralabteilung Personal im Diözesan-Caritasverband. Foto: Sauer

Erzbistum. Bei dem neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD), der ab dem 1. Juli statt des bisherigen Zivildienstes eingeführt wird, setzt die Caritas im Erzbistum Paderborn auf „Klasse statt Masse“: Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig kündigte am Rande einer Fachtagung zum neuen BFD in Paderborn an, die Caritas werde 350 Freiwilligen-Plätze in kirchlich-karitativen Diensten und Einrichtungen zur Verfügung stellen. Im Vergleich zu den bisherigen Zivildienststellen bedeutet dies eine starke Verringerung: Im Vorjahr waren noch 1200 junge Männer im Zivildienst im Einsatz. Zu Spitzenzeiten hatte der Diözesan-Caritasverband sogar 1600 „Zivis“.  

von Andreas Wiedenhau

Die entstehende Lücke soll laut Lüttig durch den verstärkten Einsatz von ehrenamtlichen Helfern und geringfügig beschäftigten Kräften gedeckt werden: „Komplett schließen können werden wir sie aber nicht.“ Der Caritasdirektor machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass auch einige Dienste „gefährdet“ seien, etwa in der zeitintensiven Begleitung von Menschen mit Behinderungen. Dies treffe insbesondere auf Leistungen zu, die über ein Maß hinausgingen, das von den Pflegesätzen gedeckt sei. Die Zahl von 350 Plätzen, erklärte Lüttig, sei angesichts der „zahlreichen Unbekannten“ aber realistisch: „Ich bin derzeit etwas skeptisch, weil allein bei der Dauer die Spanne von sechs bis 24 Monaten reicht.“ Ein weiterer Ausgleich soll, so Lüttig, durch die Aufstockung der Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) auf insgesamt 350 erzielt werden. Derzeit liegt diese Zahl bei 240. Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, kündigte an, bundesweit sollten rund 35 000 Stellen pro Jahr im neuen Freiwilligendienst entstehen.

Hecken, der ebenfalls an der Fachtagung teilnahm, erklärte, der Rückgang gegenüber den zuletzt rund 45 000 Zivildienststellen solle ebenfalls durch einen Ausbau der Plätze für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr (FÖJ) aufgefangen werden.

Den von einigen CDU-Politikern ins Spiel gebrachten Überlegungen, Hartz-IV-Empfänger in den Freiwilligendienst einzubeziehen, erteilte der Staatssekretär eine deutliche Absage: „Eine solche Verpflichtung mit der Androhung von Sanktionen würde der Idee des neuen Dienstes zuwiderlaufen.“ Weil sich eine Reihe von Zivildienstleistenden im neuen BDF über den 1. Juli weiterverpflichtet hätten, müsse dieser auch nicht „bei Null“ anfangen: „Wir rechnen mit rund 14 000 Freiwilligen zum Start.“

Von einem „herben Schlag“ durch die Aussetzung der Wehrpflicht und den damit verbundenen Wegfall des Zivildienstes sprach Monsignore Thomas Dornseifer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat: „Die Zivildienstleistenden waren gerade im Bereich der Jugendpastoral ein Gewinn.“ Der Zivildienst habe darüber hinaus diesen jungen Menschen eine neue Sicht von Kirche ermöglicht. Viele, so Dornseifer, hätten dadurch auch neue berufliche Perspektiven erhalten, die ihnen ohne den Zivildienst verwehrt geblieben wären.

Mitte des Monats werden die Wohlfahrtsverbände auf Landesebene eine gemeinsame Kampagne starten, um für den neuen Freiwilligendienst zu werben.

 

 


24.05.2012
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