Bischof Dr. Gebhard Fürst zum Diakonat in der Nachfolge Jesu Christi
In der tätigen Liebe zu den „Verlorenen“ wird Kirche glaubwürdig

- Dr. Gebhard Fürst wurde 1948 in Bietigheim geboren. Nach einem Theologiestudium wurde er 1977 zum Priester geweiht. 1987 folgte die Promotion im Fach Fundamentaltheologie. Seit Juli 2000 ist er Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gebhard Fürst ist Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Protektor des „Internationalen Diakoniezentrums“.
Dr. Gebhhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist Protektor des „Internationalen Diakoniezentrums“. In seinem Gastbeitrag zum „Ständigen Diakonat“ legt er dar, welch wichtige Aufgabe in der Nachfolge Jesu die Diakone in der Kirche heute übernehmen.
von Bischof Dr. G. Fürst
Diakone verpflichten sich in der Weihe zur besonderen Nachfolge Jesu. Sie wollen ihm, dem Urdiakon, auf seinem Weg folgen. Was braucht es dazu und wie kann ein solcher Weg aussehen? In den einführenden Sätzen des Direktoriums für den Dienst und das Leben der Ständigen Diakone werden dazu Perspektiven entworfen: „Das Weihesakrament verleiht den Diakonen eine neue Weihe an Gott, durch die sie…ausgesandt werden zum Dienst am Volke Gottes…Daraus erwächst die diakonische Spiritualität. Wie die Bezeichnung Diakonat selbst aussagt, kennzeichnet der Geist des Dienens das innere Fühlen und Wollen dessen, der dieses Weihesakrament empfängt.“
„Nachfolgen“ ist eine geistliche Haltung. Wie kann diese konkret aussehen? Vielleicht finden sich Hinweise dazu bei den ersten Christen, denn sie sahen sich als Kirche unterwegs. Sie wurden „Anhänger des neuen Weges“ (Apg 9,2) genannt. Sie gingen dabei nicht irgendwie los, sondern sie wussten: „Wir haben eine Wegbeschreibung: Es ist der Weg Jesu selbst!“ Auf seinen Weg haben sie sich begeben. Jesus Christus sagte von sich selbst: „Ich bin der Weg!“ (Joh 14,6). Der Weg Jesu Christi ist der „neue Weg“, den Christen gehen. Auch heute. Mit dieser Gemeinschaft, in ihr, sind Diakone unterwegs in der Nachfolge Jesu Christi. Sie folgen dem Herrn nach, dem das Dienen wesentlich geworden ist.
Jesus begegnet den Menschen auf dem Weg. Sein Leben und Lehren, sein Handeln und Heilen sind ein konsequenter Weg der Liebe, über Kreuzigung und Tod hin zur Auferstehung. Das Leben des Jesus von Nazareth ist der Weg zu den Menschen, vor allem der Weg für die Menschen. Seine Jünger beruft er, ihm auf seinem Weg nachzufolgen. Jünger sein heißt, den Spuren Jesu folgen. Konkret bedeutet das dann: Diakon sein, heißt, der Spur, die Jesus, der Diakon schlechthin, mit dem barmherzigen Samariter und dessen Handeln auf dem Weg legt, folgen. Es liegt in der Spur Jesu, die Opfer am Wegrand nicht zu übersehen, sie vielmehr zu bergen, Herberge zu schaffen und für Heilung zu sorgen. Im Weg Jesu Christi wird die Liebe Gottes zu den Menschen konkret, insbesondere zu den Verlorenen. Christliche Liebe zu den Menschen nimmt daran Maß.
In der Spur Jesu haben daher die Verlorenen unserer Zeit in der Kirche ihren besonderen Platz: die materiell Armen ebenso wie die seelisch Obdachlosen, die, die in der Gesellschaft zurückbleiben oder aus ihr herausfallen ebenso wie die, die in Einsamkeit und Anonymität leben. In der Zuwendung zu den „Armen und Bedrückten aller Art“, in der diakonischen Grundausrichtung entfaltet das Gottesvolk auf seinem Weg missionarische Kraft. Als pilgernde Kirche, die aus der Feier der Eucharistie lebt und die so diakonisch und missionarisch zugleich sein kann, dürfen wir vertrauensvoll in die Zukunft gehen. In der tätigen Liebe gerade zu den „Verlorenen“ wird Kirche glaubwürdig. Auch unsere Zeitgenossen werden dann fragen: Was sind denn das für Leute? Woher nehmen sie die Kraft, so zu leben? Die Person des Diakons symbolisiert sozusagen die Diakonie der Kirche. An ihm soll man ablesen können, wozu Kirche da ist. In der Einheit aller in der Pastoral Tätigen ist der Diakon das sakramentale Zeichen des Dienens und verweist immer wieder sich selber und die anderen, hauptamtlich oder ehrenamtlich, auf das Dienen.
Ständige Diakone sind Kleriker, doch sind sie – und das ist ein nicht hoch genug einzuschätzendes Geschenk des Konzils – in der Regel durch Ehe und Familie, durch ihren Beruf erkennbarer im Volk und in der Gesellschaft als die Priester.
Auch wenn in Zeiten des Priestermangels im Diakonat hin und wieder in die Richtung des „Priesterersatzes“ geschaut und spekuliert wird, auch wenn manche Gemeinden und Pfarrer so hoffen, ich denke durch meine Ausführungen ist deutlich geworden: Diakone sind kein Mittel, den Priestermangel zu ersetzen, sie sind aber notwendig im wahrsten Sinne des Wortes, den Gemeinden die weit verbreitete Diakonievergessenheit bewusst zu machen, diese Not zu wenden.
Im Grunde kann der Diakonat erst dann richtig in seinem Wesen deutlich werden, wenn es genug Priester gibt. Priester sind nur durch Priester zu ersetzen und Diakone nur durch Diakone. Ganz deutlich stelle ich fest: Unsere Kirche kann ihren Auftrag, missionarisch Kirche im Volk zu sein, nur wahrnehmen, wenn sie eine diakonische Kirche ist und es noch mehr wird.






