Aktuelle Ausgabe
2012-20

Pater Abraham schuf Symbol für „Ruhr.2010“

Jedes Kreuz eine kleine Predigt

Pater Abraham zeigt eine der Edelstahl-Nachbildungen des Kulturhauptstadtkreuzes. Foto: Nückel

Meschede. Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom haben die Veranstaltungen zum Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet begonnen. Gut sichtbar stand im Kirchenraum das Kulturhauptstadtkreuz. Gefertigt wurde es in der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede im Sauerland.

von Matthias Nückel

„Das Kreuz ist aus Titan, einem hochtechnischen Material“, beschreibt Pater Abraham OSB das Kulturhauptstadtkreuz. Und der Metallgestaltermeister, der das Kreuz für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 entworfen hat, fügt hinzu: „Ich versuche, dieses Material gestalterisch einzusetzen.“
Pater Abraham ist nicht nur Handwerker, sondern auch Theologe. So hat das Kreuz natürlich eine Botschaft. „Es ist ein dreidimensionales Labyrinth“, erläutert der Benediktiner, „der Weg führt zur Mitte.“
Die Initiative, zur „Europäischen Kulturhauptstadt Ruhrgebiet“ ein eigenes Kreuz zu schaffen, ging von Dr. Michael Schlagheck, Direktor der Akademie des Bistums Essen „Die Wolfsburg“ und von Andreas Isenberg vom Amt für missionarische Dienste der evangelischen Kirche aus. Pater Abraham. der häufig für Kirchen im Bistum Essen arbeitet, bekam den Auftrag, dieses Kreuz zu entwerfen.
„Das Material wurde von Thyssen gestiftet“, berichtet er. Es wurde mit Laserstrahlen geschnitten. Bearbeitet hat es dann Pater Abraham schließlich in seiner Schmiede in Königsmünster.
Beeindruckend ist das Farbenspiel des Titans. „Titan-Oxid filtert Licht“, erläutert der Metallgestalter. „Wenn man lange genug tüftelt, kann man dies steuern.“ Pater Abraham erklärt, dass die Farben mit Hilfe von Strom erzeugt werden. Doch wie dies genau geschieht „das ist Berufsgeheimnis“. Solche Effekte entdeckt er oft zufällig. Dann versucht er, sie zu steuern. „Gestalterisch ist das ein spannendes Thema.“
Doch Pater Abraham ist nicht zuerst Handwerker, sondern Mönch. Als „spätberufener Handwerker“ bezeichnet er sich. Denn zunächst studierte er Theologie, trat dann in den Orden ein und absolvierte dort seine Lehre als Metallgestalter. Seit 2006 ist er Meister in diesem eher seltenen Beruf.
Die Theologie steht für Pater Abraham im Mittelpunkt seines Schaffens. Sein Thema beim Kulturhauptstadtkreuz war: „Die Dimensionen zu sprengen“. Die Frage, die hinter dem dreidimensionalen Labyrinth steht, sei: „Wie kommen wir in den Himmel?“ Er versuche, „Sprachspiele aus der Physik theologisch zu deuten, Technik für die religiöse Sprache nutzbar zu machen“, erläutert Pater Abraham. So sei unser komplexes Leben eben nicht wie ein zweidimensionales Labyrinth, in das man geradeaus hineingehen könne, sondern das Leben sei mehr mit einem dreidimensionalen Labyrinth zu vergleichen.
Religiöse Zeichen will der Benediktiner durch die Materialien in die heutige Zeit holen. So hätten die Holzschnitzereien in ihrer Zeit ihre Berechtigung gehabt, sagt er. Doch in moderne Wohnungen passten sie oft nicht. Diese Lücke will der Metallgestalter mit seinen Materialien füllen.
Das Kulturhauptstadtkreuz misst 80 mal 80 Zentimeter. Als Standkreuz ist es 2,70 Meter hoch. „Das Kreuz soll sowohl im Essener Dom als auch in einer kleinen Dorfkirche wirken“, erläutert der Benediktiner. Schließlich soll das Kreuz im Laufe des Jahres durch alle 53 Städte und Kreise des Ruhrgebietes ziehen.
Für zu Hause gibt es kleinere Nachbildungen des Kulturhauptstadtkreuzes in Edelstahl. In einer limitierten Auflage werden sie hergestellt. Erworben werden können diese Kreuze in der Essener Domschatzkammer und in der „Wolfsburg“. Auch dies hat für Pater Abraham einen tieferen Sinn. Denn für den Ordensmann ist „jedes verkaufte Kreuz eine kleine Predigt“.


24.05.2012
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