Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Jesu Wort wohnt in unserem Herzen

Prälat Franz Hochstein ist Domvikar i. R., Kranken­hausseelsorger im St. Johannisstift und in der LWL-Klinik (Psychiatrie) in Paderborn.

Wer Jesu Wort annimmt und an ihm festhält, der lässt Gott selbst in seinem Herzen wohnen. Dadurch findet er Halt in seinem Leben, schlussfolgert Prälat Franz Hochstein aus dem heutigen Evangelium.

von Prälat Franz Hochstein 

Jede und jeder von uns hat einen persönlichen Platz im Herzen Gottes. Und Gott sehnt sich nach einem Platz in unserem Herzen. Darum gibt er uns in Jesus Christus sein Wort. Und bei dem, der festhält an dem, was Jesus sagt, nimmt Gott Wohnung. Gott im Herzen des Menschen – das ist unbegreiflich, lädt uns aber ein, dass wir uns ergreifen lassen und erahnen, wie sehr wir vom Unbegreiflichen umgriffen sind. In jüdischer Literatur wird von der „Umarmung“ der Worte gesprochen. Im Wort Jesu werden wir gleichsam umarmt von der göttlichen Liebe und Wahrheit, vom Leben Gottes – umarmt in unserem Herzen. Wenn unser Herz für Jesu Wort und damit für Gott bewohnbar ist, dann leben wir in engster Verbindung mit Gott, dann leben wir Herz an Herz mit Gott. Und wenn wir an Jesu Wort festhalten, dann sind wir gehalten, sodass wir in allen Belastungen des Lebens durchzuhalten vermögen. Wenn wir Gott in uns Aufenthalt gewähren, dann können wir uns in den Prüfungen des Lebens bewähren und überzeugt sein, dass Gott alles mit uns aushält. 

Der Bibelwissenschaftler Fridolin Stier hat den Vers 27 des heutigen Evangeliums so übersetzt: „Lasst euch das Herz nicht durcheinander bringen und verzagt nicht“. Sicher wird es uns nicht immer gelingen, alles, was uns durcheinander bringen kann, von uns fernzuhalten. Aber auch dann brauchen wir nicht zu verzagen. Denn wir dürfen alles Durcheinander zu Jesus bringen und in sein Herz legen; er vermag alles Chaotische zu ordnen, alles Verwundete zu heilen und alles Zerbrochene wieder zusammenzufügen. Gottes Möglichkeiten setzen gerade an unseren Grenzen an.

Seine Zusagen übertreffen all unser Versagen. Und selbst wenn unser Leben einmal aus allen Fugen geraten sein sollte, vermag er letztlich noch alles zum Guten zu fügen. Wo ein Mensch sich immer wieder das Wort aus dem Herzen Gottes zu Herzen gehen lässt, da wird es gut gehen mit seinem Leben, sodass es einmal eingeht in die Ewigkeit.

Im Hören auf Jesu Wort werden wir mehr und mehr Angehörige Gottes. Und so vermögen wir auch zu bleiben, wohin wir gehören. Im Vernehmen des göttlichen Wortes werden wir befähigt, einvernehmlich miteinander zu leben. Ein Herz, in dem Gott wohnt, vermag auch den Nächsten in sich wohnen zu lassen – ohne Kündigung.

Und wer sich vom Heiligen Geist immer tiefer einführen lässt in die Wahrheit Jesu, der gewinnt mehr und mehr Einsicht in das Wahre, das Gute und Richtige: So wächst dann auch seine Zuversicht.

Und wer mit dem hl. Augustinus sagen kann: „Mein Mund ist geformt vom Heiligen Geist“, der vermag Worte zu sprechen, die eine Umarmung der Herzen bewirken und Trennung verhindern. Schließlich wird da, wo an Jesu Wort festgehalten wird, auch haltbarer Friede möglich. Denn das Festhalten am Wort hält die Liebe lebendig. Und: „Wo Liebe ist, da ist Frieden“ (Mutter Teresa).

 


24.05.2012
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