Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der neue Bischof von Le Mans, Yves Le Saux, im Gespräch mit dem DOM

Jugendarbeit vernetzen

Ließ sich trotz Regens die gute Laune nicht nehmen: Yves Le Saux (r.) ist seit Anfang dieses Jahres Bischof von Le Mans.

Paderborn/Le Mans. Seit 836 verbindet die älteste europäische Partnerschaft die Diözesen von Le Mans (200 km südwestlich von Paris) und Paderborn. Regelmäßig ist der Manceller Bischof Gast beim Paderborner Liborifest. Seit Januar dieses Jahres ist Yves Le Saux Nachfolger von Jacques Faivre auf dem Bischofsstuhl des heiligen Liborius. Der DOM sprach mit ihm über die pastorale Situation in seiner Diözese und seine Eindrücke vom ersten Besuch an der Pader.

von Gerd Vieler

Le Saux setzt bei seinen pastoralen Bemühungen besonders auf die Jugend, die er wieder mit der Kirche in Kontakt bringen möchte. Wie in Deutschland stünden die meisten Jugendlichen auch in Le Mans sowie ganz Frankreich der Kirche sehr unwissend oder gar ignorant gegenüber. Manche hätten noch eine vage Vorstellung, warum etwa in Le Mans an zentraler Stelle so ein großes Bauwerk stehe. Manche wüssten aber auch nicht mehr, was es mit diesem gro­ßen Bau, der Kathedrale, auf sich habe. Le Sauxs Traum ist daher ein Netzwerk und eine Zusammenarbeit der verschiedenen Jugendbewegungen. So gäbe es sehr viele katholische Pfadfindergruppen, die aber (noch) nicht zusammenarbeiten würden.
Der Bischof sieht für seine Kirche die Gefahr, dass sie an den gesellschaftlichen Rand gerät, was zu einem Ghetto-Dasein führen könne. Obwohl sich die meisten Franzosen als katholisch empfänden, würden sie, zumeist aus Tradition nur zur Taufe oder zur Beerdigung in der Kirche auftauchen.
Leider habe er als Bischof wegen der strikten Trennung von Staat und Kirche keinen Zugang zu staatlichen Schulen, daher werde nach anderen Wegen gesucht, die Jugendlichen zu erreichen.
Da würde ihm der dem Neuling innewohnende Zauber helfen, denn auch in Le Mans gelte das Sprichwort: „Neue Besen kehren gut.“ Daher würde er jeden Sonntag einen Gottesdienst in einer anderen Gemeinde feiern, um so Kontakt zu den Menschen zu bekommen.
In seine Vernetzungsbemühungen möchte Le Saux auch die Beziehung zu Paderborn mit einbeziehen. Ausnahmslos begeistert und beeindruckt sei er von seinem Besuch. Eine solche Mischung zwischen Kirchen- und Volksfest gebe es in Le Mans nicht. Er kenne es aber aus der Bretagne seiner Heimat, wo besonders die heilige Anna gefeiert werde. Eigentlich habe er dort mitfeiern wollen, habe aber dann Liborius den Vorzug gegeben. „Ich habe mir alles angesehen und auf der Kirmes sogar Bier getrunken“, sagt Le Saux. Das sei zwar nicht ganz ungewöhnlich, aber zusammen mit anderen Bischöfen auf einer Kirmes schon. Er hofft, dass dieser interessante Mix und der Dialog aus Kultur und Glaube noch lange erhalten werden könne.
Wegen eines schon lange geplanten Termins in Paris musste Le Saux bereits am Dienstagmorgen wieder abreisen und konnte so noch nicht einmal das ganz Triduum mit­erleben. Doch im nächsten Jahr habe er das Liborifest im Terminkalender bereits fest vorgemerkt und werde bestimmt länger bleiben.


24.05.2012
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