Aktuelle Ausgabe
2012-20

Junge Christen aus Bergkamen „pilgerten“ mit dem Kreuz durch die Stadt

Jugendkreuzweg wechselt Perspektive

Abwechselnd trugen die Jugendlichen das Kreuz.

Bergkamen. „Es war diesmal schon etwas anderes“, erzählt Kathrin Shary. „Manche, die uns begegneten, blieben stehen und schauten“, beschreibt die junge Frau ihre Eindrücke vom diesjährigen Jugendkreuzweg in Bergkamen. Die gegenseitige Aufmerksamkeit, die sich die Menschen auf der Straße und die Teilnehmer schenkten, erstaunte und berührte sichtlich beide Seiten. „Ein Moslem sprach uns sogar an und fragte, was wir tun und warum wir das machen.“ 

von Elisabeth Plamper 

160 katholische und evangelische Jugendliche nahmen am Jugendkreuzweg teil, folgten symbolisch dem Leidensweg Jesu. Nicht wie bisher durch Wald und Flur im „Großen Holz“, sondern erstmals von Kirche zu Kirche durch Wohngebiete und entlang der Hauptstraße. Die Jugendlichen beider Konfessionen sollen auf diesem Weg noch intensiver erfahren, dass der Leidensweg Jesu vor 2000 Jahren auf dem eigenen Lebensweg Halt und Stütze sein kann, so die Organisatoren.

Die spirituellen Impulse lieferten neun Kreuzwegbilder des Theologen und Künstlers Stefan Weyergraf. Sie dienten auch gleichzeitig als Gebetsstationen. Unter dem Motto: „Aus seiner Sicht“ wechselte Weyergraf bei seinen Bildern die Perspektive. Der Betrachter sieht das Geschehen aus dem Blickwinkel von „Jesus“, schaut nicht auf den Gekreuzigten, sondern scheinbar selbst vom Kreuz herab auf die Soldaten, so wie es der Heiland nach seiner Kreuzigung wahrgenommen haben könnte. Aus dem distanzierten Betrachter wird der Beobachter des Szenarios auf dem Bild. Was zunächst irritiert, soll zum „umzudenken“ auffordern, eine Möglichkeit auf dem Kreuzweg seinen „Standort“ zu Gott, zum Glauben, zur eigenen Lebensweise zu hinterfragen und neu zu bestimmen.

Gemeinsam mit den Seelsorgern der Gemeinden, Gemeindereferenten und Betreuern machten sich die Kinder und Jugendlichen von der evangelischen Auferstehungskirche auf den Weg und erreichten rund eine Stunde später die katholische Kirche St. Elisabeth. Abwechselnd trugen die Jugendlichen das Kreuz.

Marie Angela Gerzer war das erste Mal beim Kreuzweg dabei. „An der Auferstehungskirche haben wir besprochen, wie wir den Kreuzweg gestalten“, erzählt die Elfjährige aus der Gemeinde St. Elisabeth. „Ich war schon sehr gespannt, wie alles abläuft. Das erste Bild, das wir dann besprochen haben, war vom Palmsonntag. Und gebetet haben wir das Kyrie.“

Zusammen mit Cindy Ruh trug sie das Kreuz das letzte Stück des Weges. „Erst war es ziemlich schwer, aber ich habe an die Geschichte in der Bibel gedacht und dann wurde es leichter.“ Im nächsten Jahr möchte sie auf jeden Fall wieder mitgehen.

Mit einem gemeinsamen Agapemahl im Pfarrheim endete der Jugendkreuzweg im Pfarrheim von St. Elisabeth.

 

 


24.05.2012
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