Gedanken zum Evangelium
Kana: Ein Wunder der Freude
Gottes Liebe wirkt mitten unter den Menschen, dort, wo sie eins werden und einander Freude schenken. Das ist die Botschaft der Hochzeit zu Kana, wie sie das Johannesevangelium überliefert und Propst Dr. Achim Funder aus Arnsberg sie auslegt.
von Dr. Achim Funder
„Ich liebe diese Stelle sehr. Die Hochzeit zu Kana, das erste Wunder … Nicht das Leid, nein, die Freude der Menschen suchte Jesus auf, als er sein erstes Wunder vollbrachte, zur Freude verhalf er ihnen. Wer die Menschen liebt, der liebt auch ihre Freude … Ohne Freude kann man nicht leben.“ So heißt es in Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“.
Offensichtlich: die Freude ist ein direkter Zugang zu Gott. Sie ist Zeichen der dankbaren Annahme des Lebens. Die Freude auf einer Hochzeit ist dafür ein Paradebeispiel. Wird im Alltag die Freude manchmal „verwässert“, am Fest der Vermählung fließt der Wein der Freude. Er darf nicht ausgehen, sonst ist das Fest vorbei und die Hoch-Zeit wird zum Tief-Punkt.
Jesus wirkt ein Zeichen seiner Liebe und Herrlichkeit. Dabei geht es wohl kaum um die Befindlichkeit der Gäste, deren Stimmung sich ohne den köstlichen Trank trüben könnte. Es ist eine Verwandlung im Gange, die mehr bedeutet als eine Episode auf irgendeiner Feier. Es drückt sich das große Thema des Johannesevangeliums aus: Gottes Liebe wirkt mitten unter den Menschen, im Eins-Sein mit ihnen, dort, wo Liebe im Spiel ist. Da verwandelt sich Gleichgültigkeit in Anteilnahme, Starrheit in Beweglichkeit, Unzufriedenheit in Dankbarkeit und durch dieses Zeichen führt Jesus die Menschen zum Glauben.
Die Überraschung ist vielfältig: man nimmt Freude am Schenken wahr, den heimlichen Dienst zum Vorteil eines anderen, das unbemerktes Tun zum Wohle des in Verlegenheit geratenen Gastgebers, die zu beseitigen sicher nicht die wichtigste Aufgabe Jesu war.
Die Wunder, die Jesus tut, sind nur Zeichen, die auf die Erfüllung hinweisen. Es sind Zeichen, die nur verstanden werden können von dem, der sie im Glauben liest. Wunder erzwingen keinen Glauben und sind noch nicht die Herrlichkeit Gottes selbst, so faszinierend sie sein mögen.
Jesus selbst ist der Weinstock, von dem Wein in solcher Fülle fließt, dass bei diesem Hochzeitsfest in Kana für die gläubigen Jünger die Herrlichkeit sichtbar wird, zu der wir beim himmlischen Hochzeitsmahl alle eingeladen sind. Das Fest beginnt – glaubt an das Evangelium!
Das ist typisch für Jesus: wo er sich hätte heraushalten können, bringt er sich ein. Die Macht der Liebe bewegt ihn zum Weinwunder. Auch später am Kreuz wird er sich ganz einbringen: verschenkt sein Blut. Das wird die größte Verwandlung werden: Wein in Blut. Die Liebe führt zur letzten Hingabe am Kreuz, liefert sich dem Tod aus, um ihn zu verwandeln.
Die Fülle der Herrlichkeit ist das Kreuz. „Die Stunde“ Jesu, das wird der Augenblick sein, in dem Gott seine Liebe bis zum Letzten offenbart: hier wird Gott ganz er selbst, indem er sich ganz schenkt; hier offenbart sich Gott als Liebe.
Jesus setzt als erstes Zeichen ein verwandelndes Geschenk. Und wir? Wo wir uns nicht verschließen, wo wir Einsatz wagen, fällt die Hochzeit nicht ins Wasser. Das braucht unsere Verwandlung. Wenn alles so bleibt wie es ist, bleibt Wasser ewig Wasser. Wer bereit ist, Wein in das Hochzeitsfass der Liebe zu gießen, wird erfahren: es wird verwandelt, was ich schöpfe und das Geschöpfte verwandelt mich.
Ein Blick noch auf Maria: Die jüdische Mutter spricht im Evangelium das Verlangen Israels aus, die Fülle der Herrlichkeit zu schauen. Zugleich spricht Maria aber auch als die Frau, in der sich die Sehnsucht des Menschen nach Gemeinschaft an Gott wendet. Der Ruf „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“ hat sich in Kana bereits erfüllt und wird von Christen durch die Jahrhunderte gesprochen. Sie zeigt die Grundstruktur des Glaubens: wir stehen nicht alleine vor Gott und Gott will uns nicht alleine erlösen, sondern als das Menschengeschlecht, das Gott selbst geschaffen hat.







