Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Kehrt um, hin zu Gott!

Pastor Dr. Marc Retterath ist Seelsorger im Pastoralverbund Schildesche-Jöllenbeck.

Johannes der Täufer predigt die Umkehr als Abkehr von falschen Wegen und als Hinwendung zu Gott, die das Erbringen guter Früchte zur Folge hat. 

von Marc Retterath 

Wieder begegnet uns, als treuer Begleiter des Advents, Johannes, langerwarteter Sohn des Zacharias und seiner Frau Elisabet. Gekleidet in das Gewand der Propheten predigte er in der Wüste von Judäa. Und das muss sehr beeindruckend gewesen sein, denn scharenweise kamen die Menschen zu ihm, selbst die Pharisäer und die Sadduzäer – obwohl der wortgewaltige Prediger wahrlich kein Blatt vor den Mund nahm und recht deutlich werden konnte. 

Hauptinhaltspunkt seiner charismatischen Verkündigung war die Umkehr. Dieser Begriff ist nicht technisch zu verstehen. Es soll ja nicht zum Ausgangspunkt zurückgehen, sondern zu einem neuen Ziel: Hin zu Gott! Hin zur radikalen Anerkennung Gottes! Denn jetzt ist sein Reich, das Himmelreich, nahe.

Wie soll nun diese Hinwendung geschehen? Und hier gibt uns das Matthäusevangelium doch zwei ganz wichtige Hinweise: 1.) Die Menschen bekannten ihre Sünden, bevor sie sich taufen ließen. 2.) Die Aufforderung des Johannes: Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.

Vielleicht können wir aus diesen beiden Aussagen für uns selbst folgendes festhalten: Eine Hinwendung zu Gott bedarf eines neuen Anfangs. Dafür muss ich jedoch zunächst mit dem Alten, dem Gewesenen, abschließen, sozusagen Ordnung schaffen. Positives kann ich herausstreichen, es wird mir Kraft für die Zukunft geben. Um das Negative muss ich mich aber auch kümmern. Ansonsten belasten mich diese Dinge, oft auch im Unterbewusstsein, derart stark, dass meine Anstrengungen hin zu Gott gehemmt oder sogar, im schlimmsten Fall, unmöglich gemacht werden. Die Menschen damals „bekannten ihre Sünden“. Sie hatten den Mut, offen auszusprechen, was in ihnen dunkel war, wo sie falsch gehandelt hatten.

Doch mit einem Neuanfang ist es allein noch nicht getan. Ich muss nun noch den Weg aussuchen und kontrollieren, ob ich auf diesem Weg auch vorwärtskomme, ob es überhaupt der richtige ist, oder ob ich mich verrannt habe. Ein Kriterium, meine Fortschritte auf dem Weg zu Gott hin zu beurteilen, ist die Frage des Johannes nach den Früchten. Das Ganze ist also keine einmalige, punktuelle Angelegenheit, sondern ein lebenslanger Prozess, welcher der regelmäßigen Selbstkontrolle bedarf.

Ich finde, diese beiden Elemente sind auch heute noch gut geeignet, sich auf den Weg hin zu Gott zu machen und auf diesem Weg zu bleiben. Es beginnt mit der eigenen Bestandsaufnahme: Wo stehe ich, wo muss ich mich von etwas befreien, um unbeschwert diesen Weg gehen zu können? Dafür bietet sich in idealer Weise ein persönliches, ausführliches Beichtgespräch an, bei welchem man, mit Hilfe des Priesters, vor Gott seine Sünden laut ausspricht, um sie am Ende durch die Absolution im wahrsten Sinne des Wortes loszuwerden. Der zweite Schritt wäre es dann, die Fortschritte zu überprüfen. Dies kann geschehen durch einen (ggf. schriftlich verfassten) Wochenrückblick, verbunden mit einer Gewissenserforschung. Zunächst sammelt man wertfrei alles, was gewesen ist. Danach kann man analysieren: Habe ich gute Früchte hervorgebracht? Bin ich noch auf dem Weg, den ich gehen wollte, hin zu Gott? Was kann ich verbessern in der nächsten Woche, was muss ich ändern? Oder ist etwas vorgefallen, das ich im Bußsakrament vor Gott bringen muss? Nur wer die Vergangenheit beachtet, wird, vertrauend auf die Hilfe Gottes, die Zukunft gut planen und ruhigen Herzens im Heute leben können. Am Ende werden wir so zu dem Weizen, der in Gottes Scheune kom

 

 


24.05.2012
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