Kommentar
Keine Rede vom Schlussstrich
von Andreas Wiedenhaus
Es waren klare Worte und ein deutliches Zeichen des Papstes: Zum Abschluss des Priesterjahres hat Papst Benedikt XVI. für die Missbrauchsvergehen katholischer Priester um Vergebung gebeten und dazu aufgerufen, dass sich derartiges nicht wiederholen dürfe. Der Zeitpunkt allein war schon symbolträchtig. Die Bitte um Vergebung äußerte der Papst in seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst zum Priesterjahr vor rund 15000 Geistlichen auf dem Petersplatz. Kenner des Vatikans sehen darin einen herausragenden Beitrag zur Aufarbeitung des Skandals. Sogar die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ begrüßte die Worte. Um jedoch gleichzeitig deutlich zu machen, dass dies kein „Schlussstrich“ sein dürfe und es darum gehen müsse, „endlich Konsequenzen im Hinblick auf eine Reform der Zölibatsverpflichtung zu ziehen“.
Abgesehen davon, dass bisher von keinem ernstzunehmenden Kirchenvertreter auch nur angedeutet worden ist, dass es in dieser Angelegenheit in absehbarer Zeit einen Schlussstrich geben müsse: Mit ihren Forderungen schießt die Bewegung eindeutig übers Ziel hinaus. Wer vom Papst fordert, er müsse sich „von seinem idealisierten und der heutigen Zeit nicht entsprechenden Priesterbild“ verabschieden, der zeigt nicht unbedingt Dialogbereitschaft.
Letztlich fataler dürfte aber die Tatsache sein, dass „Wir sind Kirche“ mit ihren Forderungen wirklich realistischen und realisierbaren Reformen im Wege steht. Damit ist die Bewegung auch kein ernstzunehmender Gesprächspartner für diejenigen kirchlichen Verantwortlichen, die Reformen anstreben. Wirkliche Hoffnungsträger agieren anders als „Wir sind Kirche“.






