Missbrauchsfällen vorbeugen – In den Dekanaten werden Leiter von Ferienlagern geschult
Keine körperlichen Übergriffe dulden
Delbrück (rs). In den Dekanaten Paderborn und Büren fanden Fortbildungen zur Kindeswohlgefährdung statt.
Für Missbrauch von Kindern ist die Öffentlichkeit sehr sensibel geworden. Auch von der kirchlichen Jugendarbeit wird erwartet, dass sie Vorfällen vorbeugt und ihre Mitarbeiter schult. Deshalb starteten die Dekanate Paderborn und Büren rechtzeitig vor den Ferienlagern eine Fortbildungs-Initiative zum Thema: „Prävention und Kindeswohlgefährdung für Ferienlagerleiter“. Die Schulungen fanden in Delbrück, Paderborn und Büren statt, geleitet von den beiden Dekanatsreferenten für Jugend und Familie, Rainer Fromme und Lioba Bieling. Außer Leiterteams von Ferienlagern nahmen auch ehrenamtliche Mitarbeiter aus der kirchlichen Jugendarbeit teil, viele Messdienergruppenleiter und auch Firmkatecheten.
Wenn der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung oder Missbrauch auftaucht oder Kinder und Jugendliche sich gegenüber Jugendleitern entsprechend äußern, sollten diese die Sache sehr ernst nehmen und nicht abwiegeln, betonte Rainer Fromme. Die Leiter sollen dem Kind wohlwollend zuhören, aber nicht in Aktionismus verfallen. „Wir sind weder Polizisten noch Therapeuten. Wir sollen die Fälle nicht aufklären oder lösen, sondern dafür sorgen, dass das Kind Hilfe erfährt“, schärfte Fromme ein. Weder sollten die Jugendleiter das Kind bedrängen, mehr zu erzählen, noch den oder die vermuteten Täter mit dem Vorwurf konfrontieren; erst recht nicht diesen jetzt schon öffentlich machen. Sie sollten sich mit jemand aus ihrem Team oder Verantwortlichen aus der Gemeinde beziehungsweise ihrem Verband beraten und dann das kommunale Jugendamt oder eine Beratungsstelle einschalten. Das weitere Vorgehen zu veranlassen, sei dann deren Aufgabe.
Fromme warnte davor, zu verängstigt nun überall sexuelle Gewalt zu befürchten. Dagegen seien körperliche und emotionale Grenzüberschreitungen gegen Kinder ein häufigeres Thema bei Ferienlagern. Jene fallen zwar noch nicht unter „Gewalt“ oder „Missbrauch“, verletzen aber doch die Rechte einzelner Kinder. Vorsichtig sein sollten die Leiter gegenüber oft alteingefahrenen Ritualen in Ferienlagern, durch die sich sensible Kinder bloßgestellt fühlen könnten. Was der eine noch als Spaß empfinde, sei für den anderen schon ein unerlaubter Übergriff. Körperliche Grenzüberschreitungen durch andere Teilnehmer oder Leiter, auch aus Spaß, dürften nicht geduldet werden. Fromme: „Der Klaps auf den Po ist tabu!“ Wenn einzelne Kinder verächtlich gemacht oder gemobbt würden, müssten Leiter einschreiten. Es empfehle sich, im Team solche Vorfälle zu besprechen. In der kirchlichen Jugendarbeit sollte eine solch gute Atmosphäre herrschen, betonte Lioba Bieling, dass Kinder sich bei den Leitern auszusprechen trauen.







