Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Kirchturmdenken

Im Pastoralverbund Dreizehnlinden bei Höxter plante das Bistum einen Neuanfang – und wurde durch massive Proteste der Gemeinde gestoppt. (Seite 35) Die wollte ihren Pfarrer vor Ort behalten. Der Priester bleibt nun auch im Pfarrhaus wohnen, wenn auch mit anderen Aufgaben.


Christian Schlichter (44) Chefredakteur des DOM

Eine Gemeinde droht mit dem kollektiven Kirchenaustritt. Weil sie ihren Pfarrer exklusiv behalten möchte. Und ein Bistum, so an den Pranger gestellt, weiß sich nur durch einen arg salomonischen Kompromiss aus der angezettelten Medienschlacht zu ziehen. Die Situation scheint vorerst gerettet. Doch bei genauer Betrachtung bleibt ein schaler Geschmack. Schal, weil einiges auf den Kopf gestellt wurde, was die Kirche ausmacht. Dass eine Gemeinde ihren Pfarrer halten will, mag zunächst legitim scheinen. Dass sie dieses Sonderrecht auch in Zeiten des Priestermangels und allerorten längst funktionierender Pastoralverbünde durchdrücken will, ist dann allerdings unsolidarisch und für die weitere Entwicklung unvernünftig.
Dass eine Diskussion zwischen Bistum und Gemeinde in Schlagzeilen mündet, hat immer auch mit handelnden Personen zu tun. Im Fall Lüchtringen scheint es Motto gewesen sein. Mit dem Rücktritt aller Gremien und sogar konkretem Kirchenaustritt drohen, das ist Erpressung. Dazu noch eine, die vollständig am christlichen Bild einer Gemeinde vorbeigeht. Sicher mag mancher große Geschütze auffahren wollen, um ein Paderborner Generalvikariat zum Gespräch zu bringen. Doch bei der Wahl der Mittel gibt es Grenzen.
Das Bistum setzt den Priester nun im Pastoralverbund ein, das Pfarrhaus bleibt bewohnt. Ob das der Gemeinde etwas bringt, bleibt abzuwarten. Nachahmenwert ist solch ein Kompromiss sicher nicht.


24.05.2012
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