Aktuelle Ausgabe
2012-20

Abt Dominikus bemängelte vor Ordensleuten schwindende Verbindlichkeit in der Gesellschaft

„Kloster – komm mir nicht mit sowas!“

Die Jüngste und die Älteste (v. l.): Sr. Hanna Merget (32) wurde vor wenigen Wochen bei den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel in Bestwig eingekleidet. Sr. Elisabeth Müller (84) trat 1951 bei den Augustiner Chorfrauen in Hagen ein.Foto: Vieler

Paderborn. Mangelnde Verbindlichkeit und einen Hang zum Unverbindlichen machte Dominicus Meier, Abt der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, beim „Tag des geweihten Lebens“ in der Gesellschaft aus. Seit 1997 wird der Tag am Fest der Darstellung des Herrn (2. Februar) weltweit begangen.

von Gerd Vieler

„Testen sie kostenlos und unverbindlich ...“ sei zu einem Schlüsselwort unserer Zeit geworden“, sagte Meier in seiner Predigt in Hohen Dom, stellte aber dennoch eine steigende Sehnsucht nach Verbindlichkeit im gesellschaftlichen Leben fest. Als einen Grund für die wachsende Unverbindlichkeit sah er eine schwindendes Zutrauen in verbindliche Lebensformen und damit einhergehend in die Fähigkeit, einmal getroffenen Entscheidungen ein Leben lang durchzutragen. Einen Gegenpol zu diesem Trend setzten die Ordensleute mit ihrem Lebensentwurf. Vielfach werde auch Freiheit mit Unverbindlichkeit verwechselt. Bei diesem Etikettenschwindel sei dann von Freiheit die Rede, aber eigentlich die Unverbindlichkeit gemeint, sagte der Abt. Letztlich aber beginne die Geschichte der Freiheit bei Gott und die Verbindlichkeit führe in die Freiheit.
Welchem Wandel die Lebensentscheidung innerhalb von 50 Jahren unterlag, erfuhr Der DOM im Gespräch mit der jüngsten und ältesten Teilnehmerin des Treffen.
Sr. Elisabeth Müller (84) trat vor 58 Jahren in Hagen in die Gemeinschaft der Augustiner Chorfrauen in Hagen ein. Schon mit 14 Jahren war sie in Kontakt mit den Ordensfrauen gekommen und wollte möglichst schnell in die Gemeinschaft eintreten. Doch die Mutter verbot den Eintritt ihrer Tochter ins Kloster: „Du kannst nicht ins Kloster, da musst du studieren, da musst du Geld und eine Aussteuer haben.“ Sie war als Haus- und Kindermädchen tätig, bis sie 1951 an die Klosterpforte klopfen konnte. Sie erinnert sich noch genau an dieses Ritual: Den Apfel, den sie gerade aß, musste sie erst zu ende essen. – „Dann sollte ich klopfen.“
Sr. Hanna Merget (32) ist die jüngste in der Runde und wurde vor wenigen Wochen bei den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel in Bestwig eingekleidet. Die gelernte Elektromeisterin vertritt den gegenwärtigen Weg ins Kloster, der nicht mehr so gradlinig verläuft wie vor vielen Jahrzehnten. Nach Lehre und Meisterbrief hat sie sieben Jahre an Schiffsschleusen in ihrem Beruf gearbeitet. Der Gedanke an ein Ordensleben wäre ihr in dieser Zeit eher abstrus vorgekommen, zumal sie mit Kirche eigentlich wenig Berührungspunkte hatte. Doch hatte sie Interesse an einem Auslandsaufenthalt. Die Firma gab ihr dafür ein Jahr Urlaub und Hanna Merget kam in Kontakt in Salesianer, die solche Aufenthalte vermittelten. In diesem Zusammenhang lernte sie kirchliche Jugendarbeit kennen. Aus dem Auslandsjahr wurden drei Monate, bis sie wieder als Elektrikerin arbeitete und über Umwege bei den Schwestern in Bestwig landete. 


24.05.2012
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