Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Komplizierte Milchpreise

Erst haben die Bauern wegen der Milchpreise gestreikt. Die Discounter setzten die Preise hoch, kurzfristig schien alles in Ordnung. Doch eine nur angekündigte Preissenkung bringt die Bauern wieder in den Protest.


Christian Schlichter (45)
ist Chefredaktreur des DOM

Das Prinzip landwirtschaftlichen Verdienstes begreift der Verbraucher nicht mehr. Vordergründig geht es um Milchpreise. Aber hintergründig geht es um Subventionen und Quoten. Die EU dreht derzeit am Förderhahn und die ganze landtwirtschafliche Branche bekommt Herzklopfen. Denn wer glaubt, ein Bauer verdient das, was er erwirtschaftet, der geht einem Kindertraum nach. Weil sich das aber nicht wirklich mehr erklären lässt, richtet sich der Bauernprotest derzeit auf der einen Seite über den Bauernpräsident gegen die Politiker. Und nur auf der anderen Seite wieder gegen die Discounter .
Landwirtschaftliche Kalkkulation heute heißt, die Verkaufserlöse nur als einen Teil des Einkommens zu werten. Der Rest stammt aus Staatsgeldern. Subventionen für Dinge, die ein Bauer tut, oder auch nicht tut, je nachdem.
Das ganze ist so kompliziert, dass Europas Agrarminister jetzt wieder im Marathon darüber debattierten, nur um den komplizierten Richtlinien weitere Details hinzuzufügen.
Derweil gibt es für Verbraucher nur einen Tipp: Das, was ein Liter Milch kostet ist nicht alles, was ein Bauer für seine Produktion erhält. Trotzdem sollten sie bei Preisen unter dem gesunden Menschenverstand nicht mitmachen in der Sparspirale.
Lebt der Bauer künftig als Produzent von seinen Erlösen oder als besserer Landschaftsgärtner von Subventionen, das ist die Frage, um die es in Zukunft geht.


24.05.2012
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