Aktuelle Ausgabe
2012-20

Jesus zwischen den Balken

Krankenhauskapelle im Mindener Klinikum eingeweiht

Aus einem Wegehäuschen im Sauerland stammt der verwitterte Korpus.

Minden. Es mutet an, wie ein großes Schiff. Die ovale Form des geschwungenen Kunstwerkes umfängt den Besucher wie ein Bootskörper. Dabei wendet sich der Blick unweigerlich zum „Bug“. Dort hängt anstelle des Ankers etwas anderes an der „Bordwand“. Eine Jesusfigur gibt der neuen Krankenhauskapelle im Mindener Klinikum ihre Ausrichtung. An diesem Freitag wird der Gebetsraum in der gerade erst fertigen Großklinik eingeweiht.

Eine gute Planung sei es gewesen, erinnert sich der Mindener Propst Roland Falkenahn an den eigentlich recht langen, in der Sache aber effektiven Vorkauf zum Bau der neuen Krankenhauskapelle. Im Sommer 2002, im Zuge der allgemeinen Planungen für das Mindener Großklinikum auf der grünen Wiese, habe es das erste Treffen von Kirchenvertretern gegeben. Nach einem Wettbewerb habe dann bereits 2004 die Finanzierung gestanden, zwei Jahre später sei das Objekt, der bootsähnliche Aufbau probehalber aufgestellt worden.
An diesem Freitag nun ist alles fertig. Rund um die gebogenen 150 Jahre alten Holzbalken, die ursprünglich aus dem Tonnendach einer alten Reithalle in Verden stammen, haben die Klinikarchitekten einen Glaskubus gestellt. Er umhüllt die neue Kapelle, die nach dem Willen ihrer Künstlerin Su­sanne Tunn gleich zwei Funktionen erfüllen soll. Zwar liegt die Kapelle ganz zentral direkt gegenüber des Krankenhaus­einganges. Dennoch sollte sie Geborgenheit und Rückzugsmöglichkeit bilden. Als Ort für eine stille Zwiesprache mit Gott eignet sich die 25 Meter lange Konstuktion nun aber genauso, wie für den Gottesdienst. Das war die zweite Anforderung. Allein der Altar muss dafür jetzt noch nachgearbeitet werden. Für seine unregelmäßige Oberfläche wird nun eine Art „Tragaltar“ aus Aluminium und Titan geschaffen. Mit einer Reliquie soll er als Aufsatz dienen, wenn der katholische Krankenhauspfarrer Friedrich Wolfgang  Ricke dort zweimal im Monat sonntagsabends Gottesdienst feiert. Zwischendrin soll der kreuzförmige Altaraufsatz in seinem Amtszimmer als Wandschmuck dienen.
In der Schlichtheit zur Kapelle passend und mit ganz eigener Wirkung versehen ist der Korpus, der an der linken Innenwand hängt. Er stammt aus einem Wegehäuschen aus dem Sauerland und fand aus dem Magazin des Diözesanmuseums seinen Weg nach Minden.Christian Schlichter


24.05.2012
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