In Heid entsteht eine ungewöhnliche Dartellung des Leidens Jesu
Kreuzweg unserer Zeit
Wenden-Heid. Ein außergewöhnlicher Kreuzweg wird im Herbst das kleine Dorf Heid bereichern. Die ortsansässige Malerin Ilona Weber verwirklichte hiermit ihren Wunsch, dem Menschen der heutigen Zeit einen Kreuzweg vor Augen zu führen, mit dem er sich identifizieren kann: „Und so entschied ich mich, den historischen Jesus vor heimischer Kulisse zu zeigen.“
von Julia Eiden
Die Idee, sich künstlerisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen, entstand bei der Bildbetrachtung der „Grabniederlegung Jesu“ von Peter Paul Rubens. Und so malte sie als erste die dreizehnte Station. Als Martin Solbach vom Kirchenvorstand das Bild zu Gesicht bekam, spornte er die Künstlerin an, weiterzumachen. Das war im Jahr 2006. Drei Jahre arbeitete sie an ihrem „Lebenswerk, das viel Kraft gekostet hat“. Es habe Monate gegeben, in denen Ilona Weber keinen Pinsel in die Hand nahm: „Es brauchte manches Mal einen Auslöser, um in Stimmung zu geraten, am Leidensweg Christi weiter- zuschaffen“.
Drei lange Jahre, in deren Verlauf sie sich mit ihrer eigenen Herkunft, dem Thema Heimat und der Sinn-Frage auseinandersetzte: „Manchmal muss man sich bei einem Kreuzweg mit Richtungen beschäftigen, die man nicht gerne einschlägt – wie Gedanken an Leid, Schmerz oder zerstörte Beziehungen. Mutmachend ist da Jesu Treue und sein Wort- halten, bis zum Schluss“. Oftmals habe sie Wochen benötigt, um sich geistig mit einer einzigen Station auseinanderzusetzen: „Ich musste nachlesen, nachsinnen, bevor ich überhaupt zu zeichnen begann. Ich wollte das blanke Entsetzen malen, aber auch Gesichter, die lieben, die zweifeln. Und einen Menschensohn, der unsere Gesellschaft mit ins Boot nimmt, wie die Kranken im Krankenhaus.“ Vor dem Olper St.-Martinus-Hospital stürzt Jesus unter dem Kreuz – und doch verlassen von den Menschen; wie so manch ein Patient, der mit seinen Ängsten ebenfalls allein ist.
Tief berührend sind die mit Acryl auf Leinwand geschaffenen Bilder, denen sich kaum jemand entziehen kann; wie zum Beispiel die erste Station am Olper Amtsgericht: Pilatus will sich die Hände in Unschuld waschen; doch in die Schüssel tropft Jesu Blut. Oder die zweite Station vor einem gespenstig zerstörten Wald: Angstvoll geweitet sind Jesu Augen, hilfesuchend schaut er nach oben.
Die vierte Station, die Begegnung mit der Mutter: Maria ist ein einziger verzweifelter Schrei, sie drängt zu ihrem Sohn, doch die Erde klafft zwischen ihnen auf; tröstliches Fachwerk im Hintergrund, als Symbol für Tradition und Heimat. Achte Station, Begegnung mit den weinenden Frauen: der Schwangeren, der coolen Geschäftsfrau, der lieben Oma; im Hintergrund die Pfarrkirche von Iseringhausen und das Elternhaus von Schwester Emilie Engel, deren Prozess der Seligsprechung dem Vatikan vorliegt. Zwölfte Station: Jesu Tod am Kreuz vor dem Heider Friedhof.
Für den Kreuzweg wurden fünf alte Eichen gefällt, die Werner Solbach mit Engagement und Sachverstand in 14 Bildstöcke verwandelte. Dabei deckte er die Dächer mit Kupfer ab und umrahmte hiermit die verkleinerten, auf Kunststoffplatten übertragenen Bilder.







