St. Martinus in Olpe feiert zum 100-jährigen Bestehen der Kirche eine Festwoche
Krimi um den Kirchenbau
Olpe. Den 100. „Geburtstag“ ihrer Pfarrkirche feiert die Olper Gemeinde St. Martinus mit einer Festwoche. Eröffnet wird sie mit einer Ausstellung zur Geschichte von Gemeinde und Kirche unter dem Thema: „Zerstörung – Aufbau –Wandel“ am Samstag, 19. September um 11 Uhr. Am Sonntag wird dann die 35. Muggelkirmes, das Olper Kirchweihfest, um 14 Uhr eröffnet. Aus Anlass des Jubiläums hält Weihbischof Matthias König um 11 Uhr ein Pontifikalamt in Anwesenheit von ehemaligen Pfarrern und Vikaren der Gemeinde.
von Julia Eiden
Das Muggelkirmes-Team nimmt in diesem Jahr wieder ein besonderes Projekt in Angriff, nämlich die von „missio“ initiierte Schutzengelaktion. Da es weltweit mehr als zwei Millionen HIV-infizierter Kinder gibt, sucht die Gemeinde bei ihrem Pfarrfest 10 000 „Schutzengel“, die als Zeichen ihrer Unterstützung ihren Handabdruck auf ein Tuch drücken. „Jeder Handabdruck symbolisiert die Zusage ,Ja, ich helfe mit, Kinder zu schützen‘“, erklärt Organisator Wolfgang Hesse. 10 000 Handabdrück – „Ein verwegenes Unterfangen“, gesteht er. Aber: „Menschen werden genügend auf dem Platz sein. Jetzt müssen wir sie nur noch zum Mitmachen motivieren.“ Und: „Die Muggelkirmes hat keine Angst vor großen Herausforderungen.“ Schließlich gelang es den Organisatoren ja auch vor einigen Jahren die längste Kaffeetafel der Welt aufzubauen. Zunächst sollen deshalb die Ehrengäste des Kirchenjubiläums bereits um 13.40 ihre Hände auf ein Tuch drücken. Weihbischof König wird den Anfang machen, weitere Bischöfe, Abgeordnete, ein Staatssekretär, Landrat, Bürgermeister, Dechant, Pfarrer und Vikare folgen. Dann werden die Kinder einziehen und vor dem Einnehmen ihrer Stände das Tuch mit ihren Handabdrücken schmücken. Anschließend bleiben vier Stunden Zeit, um die 10 000 Abdrücke zu sammeln und zu zählen. Schließlich sollen die Tücher miteinander verbunden und an der Wand des nördlichen Querhauses installiert werden.
Einen Vorgeschmack auf die Jubiläumskirmes gibt schon das Open-Air Konzert „Feel the 70th-Flower-Power in Olpe“ am Samstagabend, 19.30 Uhr, auf dem Marktplatz. Erstmals wird „Sugar Baby Love“, die Muggelkirmes-Erkennungsmelodie, live von „The Rubbets“ erklingen. Dieser Song war 1974, als die Muggelkirmes im Rahmen des Kirchweihfestes von St. Martinus erstmals stattfand, der absolute Welthit und gehört seitdem zur Kirmes.
Bereits um 11 Uhr am Samstag wird die Festwoche im Alten Pastorat mit einer Ausstellung zur Geschichte von Kirche und Gemeinde eröffnet. Das Thema „Zerstörung – Aufbau –Wandel“ sagt eigentlich schon alles: Der nunmehr 100 Jahre alte Neubau entstand auf den Trümmern der früheren, durch Brandstiftung zerstörten Kirche.
Ende des 19. Jahrhunderts war das Gotteshaus für die stark angewachsene Kirchengemeinde zu klein. Ein jahrelanger heftiger Disput begann, ob die Kirche erweitert, völlig abgerissen oder ob an anderer Stelle ein Neubau errichtet werden solle. Der Regierungspräsident lehnte den Antrag des Kirchenvorstandes auf Abbruch ab. Mit der Grundsteinlegung zu einem Erweiterungsbau am 23. Juli 1907 sollte eigentlich Ruhe in die aufgebrachte Gemeinde einkehren. Statt dessen entwickelte sich ein regelrechter Krimi: In der Nacht vom 16. auf den 17. August, die städtischeWasserleitung war zunächst noch wegen eines Rohrdefektes abgesperrt, brach in der Pfarrkirche Feuer aus. Als die Feuerwehr endlich löschen konnte, war es für die Kirche bereits zu spät, um sechs Uhr morgens stürzte das Gewölbe vollständig ein, machte somit dem von der Bevölkerung gewünschten Neubau Platz. 1909 wurde die neugotische Kirche mit Doppelturmfasade eingesegnet, am 15. September 1913 fand die Konsekration statt.
Aus den diversen Prozess- und Gerichtsakten geht hervor, dass es sich um Brandstiftung handelte: Vier Pfeiler waren teilweise ausgehöhlt, mit Holz gefüllt, mit Petroleum begossen und angezündet worden. Die Idee stammte offensichtlich von Bauunternehmer Plassmann, die Ausführung erledigten italienische Facharbeiter.
Der genaue Hergang wird ausführlich, dokumentarisch belegt, in der Ausstellung dargestellt. Weitere Jubiläumshöhepunkte sind für den Verlauf der gesamten Woche geplant.







